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KoKoPa - Kommunikationskompetenzen chronisch Kranker im Hinblick auf die Interaktion mit Behandlern

 

Projektkennung VfD_KoKoPa_11_001951
Laufzeit von 07/2011 bis 06/2014
Webseitehttp://www.uniklinik-freiburg.de/aqms/live/Projekte/Versorgungsforschung/KoKoPa.html
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Qualitative Analyse (Interaktionsanalyse, Sequenzanalyse) der Wirkungen patientenseitigen Kommunikationsverhaltens in der Patient-Behandler-Interaktion; Hypothese: Es lassen sich patientenseitige Kommunikationsverhaltensweisen identifizieren, die mit wünschenswerten kurzfristigen Endpunkten der Patient-Behandler-Kommunikation verknüpft sind.
Entwicklung und psychometrische Prüfung von zwei Fragebögen zur Selbst- und Fremdbeurteilung der kommunikationsbezogenen Kompetenzen von chronisch kranken PatientInnen in der Patient-Behandler-Interaktion
Quantitative Analyse der Wirkungen patientenseitigen Kommunikationsverhaltens; Hypothese: Es lassen sich patientenseitige Kommunikationsverhaltensweisen identifizieren, die mit wünschenswerten mittel- und langfristigen Endpunkten der Patient-Arzt-Kommunikation assoziiert sind.
Analyse des Einflusses der Geschlechtszusammensetzung der Patient-Arzt-Dyade auf das patientenseitige Kommunikationsverhalten und seine Wirksamkeit; Hypothese: Die Geschlechtszusammensetzung besitzt einen bedeutsamen Einfluss
Konzeption einer Patientenschulung, die diejenigen Patienten-Verhaltensweisen, die im Projekt als wirksam nachgewiesen wurden, vermittelt
Hintergrund / Ziele Mit Empowerment-Ansätzen sollen individuelle Fähigkeiten gestärkt und gesellschaftliche Bedingungen gefördert werden, die es ermöglichen, dass Patienten ein eigenverantwortliches und selbst bestimmtes Leben führen. Auf die Situation der Patient-Behandler-Kommunikation bezogen, bedeutet dies, dass sich Kommunikationstrainings nicht nur an Behandler richten sollten, sondern dass auch Schulungen sinnvoll sind, die am Patienten ansetzen und es diesem ermöglicht, selber in sinnvollem Maße Kontrolle über die Patient-Behandler-Kommunikation auszuüben. Unterstützt wird dieser Ansatz durch empirische Befunde, die aufzeigen, dass mit vergleichsweise einfach durchführbaren patientenseitigen Kommunikationstrainings die Patientenpartizipation verbessert werden kann, während andererseits im Bereich der Behandlertrainings für recht geringe und oft nicht durchgängig nachweisbare Effekte ein vergleichsweise hoher Aufwand betrieben werden muss. Zudem zeigen Studien, dass bestimmte kommunikative Verhaltensweisen der PatientInnen einen positiven Einfluss auf das informationsvermittelnde Verhaltens des Arztes besitzen, dass also über den Patienten auch das behandlerseitige Verhalten beeinflussbar ist. Die Förderung der kommunikativen Kompetenzen des Patienten (z.B. Fragen stellen, Informationen verifizieren, Sorgen ausdrücken, Präferenzen artikulieren) in der Patient-Behandler-Interaktion kann als ein wichtiger Bereich der Stärkung der „Patientenkompetenz“ angesehen werden und stellt eine Konkretisierung der Forderungen nach Maßnahmen zur Steigerung der „Health Literacy“(Gesundheitskompetenz) dar.

Das beantragte Projekt versucht folgenden aktuellen Forderungen zur Durchführung innovativer Studien im Bereich der Patient-Behandler-Kommunikation gerecht zu werden: a) einen durchgängigen Theorienbezug, b) die Einbeziehung des Gesundheitsstatus als langfristigen Endpunkt, c) die Integration qualitativer und quantitativer Methoden sowie Selbstberichten und Interaktionsanalysen, d) die Berücksichtigung der patientenseitigen Kommunikationspräferenzen und e) die Konzeption integrierter Patienten- und Behandlerschulungen.
Methodik Nach einer Befragung von PatientInnen und BehandlerInnen bezüglich kompetenten Kommunikationsverhaltens bei chronisch kranken PatientInnen (Qualitative Studie 1), die dazu dient, die Einstellungen und subjektiven Konzepte zu erfassen, die im Rahmen der weiteren Studiendurchführung und insbesondere bei der Konzeption der Intervention zu berücksichtigen sind, soll mittels interaktions- und sequenzanalytischer Methoden eine qualitative Analyse der Wirkungen der in der Patienten-Arzt-Interaktion gezeigten Patienten-Verhaltensweisen erfolgen (Qualitative Studie 2). Mit dieser Teilstudie sollen im Hinblick auf kurzfristige Endpunkte (unmittelbare Reaktion des Behandlers, Zufriedenheit des Patienten) wirksame Verhaltensweisen identifiziert werden und gleichzeitig (zusammen mit Literaturbefunden) inhaltliche Grundlagen für die Entwicklung von zwei Fragebögen zur Selbst- und Fremdbeurteilung der kommunikationsbezogenen Kompetenzen geschaffen werden. Die anschließende qualitative Studie 3 beinhaltet einen kognitiven Pretest der erarbeiteten Patientenbögen. Die quantitative Studie 1 (ein Messzeitpunkt, N=250) dient der psychometrischen Prüfung der Fragbögen, ehe schließlich in der quantitativen Studie 2 (3 Messzeitpunkte, N=525) die zentralen Fragestellungen des Projekts untersucht werden. Das Projekt schließt mit der Konzeption von Patientenschulungs-Modulen. Dabei werden begleitend Fokusgruppen mit PatientInnen durchgeführt, um die Inhalte der Schulung auf die Bedürfnisse und Erwartungen chronisch Kranker abzustellen. Die verschiedenen Teilstudien des Projekts beziehen sich auf PatientInnen mit chronischen Rückenschmerzen, chronisch-ischämischer Herzkrankheit und Brustkrebs.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 850)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 10)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 50)
   Beobachtungen  (Stichprobengröße: 40)
Studiendesign Längsschnittstudie
Beobachtungsstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse In einem ersten Projektabschnitt wurden im Rahmen von Fokusgruppen Vorstellungen von Patienten bezüglich kompetenten patientenseitigen Kommunikationsverhaltens erfasst. In den Fokusgruppen wurde dabei nach Verhaltensweisen von Patienten gefragt, die aus Sicht des Patienten zu einem erfolgreichen Gespräch mit dem Arzt führen. Es wurden 9 Patienten-Fokusgruppen in 9 Einrichtungen der stationären und ambulanten Rehabilitation durchgeführt, an denen insgesamt 49 Patienten teilnahmen. Die Befragungen bezogen sich dabei auf Patienten der Indikationen chronischer Rückenschmerz (N=4 Einrichtungen), chronisch-ischämische Herzkrankheit (N=3) sowie Brustkrebs (N=2). Die befragten Patienten waren in der Mehrzahl weiblich (67,3 %), das Durchschnittsalter betrug 60,1 Jahre (Range 30-81). Nach der Transkription der Gespräche wurden die Daten von zwei Wissenschaftlern in einem mehrstufigen Verfahren inhaltsanalytisch ausgewertet, wobei sich das Vorgehen an der Methode von Mayring (Mayring, 2003) orientierte und mit der Software ATLAS.ti erfolgte. In einem ersten Auswertungsschritt konnten die Aussagen der befragten Patienten 79 Kategorien zugeordnet werden, welche wiederum zu 6 Oberkategorien zusammengefasst wurden.
Die Aussagen der befragten Patienten können den Oberkategorien „Interaktion mit dem Arzt“ (mit 123 Aussagen), „Fragen stellen“ (32), „Informationen geben“ (22), „sich vorbereiten“ (21), „Emotionen wahrnehmen und mitteilen“ (11) sowie „behandlungsbezogene Haltungen“ (10) zugeordnet werden. Im Bereich „Interaktion mit dem Arzt“ wird es als erfolgsversprechende Verhaltensweise gesehen, dem Arzt die Wahrheit zu sagen, Wünsche bezüglich bestimmter Behandlungen anzusprechen sowie verschiedene Behandlungsmöglichkeiten gemeinsam mit dem Arzt abzuwägen. Darüber hinaus halten es Patienten für ein zielführendes Verhalten, Rückfragen zu stellen (Oberkategorie „Fragen stellen“) sowie private Dinge nur anzusprechen, wenn sie für die Krankheit relevant sind (Oberkategorie „Informationen geben“). Die befragten Patienten sehen es für einen erfolgreichen Ausgang des Gesprächs ebenso als wichtig an, sich bereits vor dem Gespräch Fragen aufzuschreiben (Oberkategorie „sich vorbereiten“) und dem Arzt emotionale Belastungen mitzuteilen (Oberkategorie „Emotionen wahrnehmen und mitteilen“). Zudem halten es die Teilnehmer für hilfreich, im Gespräch mit dem Arzt selbstbewusst zu sein (Oberkategorie „behandlungsbezogene Haltungen“).

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 24.09.2012