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ATPS - Advanced Trauma Psychosocial Support

 

Projektkennung VfD_ATPS_08_001925
Laufzeit von 01/2008 bis 12/2014
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) 1. Lässt sich durch ein Kommunikationstraining für Unfallchirurgen das Arzt-Patienten-Verhältnis verbessern?
2. Verbessert sich die Lebensqualität von Unfallpatienten durch psycho-soziale Unterstützung in der Akutphase?
Hintergrund / Ziele Eine gute medizinische Versorgung von Unfallpatienten ist durch ein standardisiertes Konzept, wie das ATLS (Advanced Trauma Life Support) gewährleistet. Aufgrund von Ergebnissen früherer, DFG geförderter Studien zur psychosozialen Situation von Unfallpatienten, wurde ein standardisiertes, modular aufgebautes Konzept entwickelt, um die psychosoziale Versorgungsqualität von Unfallpatienten zu verbessern. Durch das integrative Konzept ATPS (Advanced Trauma Psychosocial Support) soll sowohl die Arzt-Patienten-Kommunikation als auch der psychische Genesungsprozess von Unfallpatienten berücksichtigt und gefördert werden. ATPS besteht aus zwei Modulen: Teil 1 umfasst ein Schulungskonzept für Unfallchirurgen, in dem die Arzt-Patienten-Kommunikation im Allgemeinen und unter besonderer Berücksichtigung der psychosozialen Situation von Unfallpatienten verbessert werden soll. Dem Arzt soll die nötige Kompetenz vermittelt werden, Patienten mit psychopathologischen Reaktionen bereits während des stationären Aufenthalts zu identifizieren. Das Modul 2 bietet psychisch auffälligen Patienten eine spezifisch auf ihr Problem abgestimmte psychotherapeutische Unterstützung an. Das ATPS Konzept soll über einen Zeitraum von 36 Monaten mittels eines Prä-Post Designs auf Wirksamkeit überprüft werden. Gemessen wird, ob sich das Kommunikationsverhalten der Unfallchirurgen durch das Training dauerhaft verbessert, welche Einflüsse ein verbessertes Kommunikationsverhalten auf die wahrgenommene psychosoziale Versorgung der Patienten hat (Vertrauen in die Ärzte) und ob die Ärzte Diagnosekompetenzen zur Identifizierung psychisch auffälliger Patienten erworben haben. Darüber hinaus werden die Effekte der psychotherapeutischen Intervention evaluiert. Für die störungsspezifische psychotherapeutische Behandlung wurde eigens ein Manual konzipiert. Die schrittweise Einführung der Interventionsbausteine soll es ermöglichen, die Effekte separat auf die jeweilige Intervention zurückzuführen (Ärzte Schulung oder Psychotherapie) und schließlich den Effekt der kombinierten Interventionen (Ärzteschulung Psychotherapie) zu evaluieren.
Methodik In einem Prä-Post-Design mit einer dazwischen liegenden Phase, in welcher das Kommunikationstraining für Ärzte durchgeführt wird, werden schwer verletzte Patienten stationär erfasst, Auffälligkeiten werden analysiert und alle Patienten werden über einen Zeitraum von einem Jahr nachverfolgt. Jeweils in der zweiten Hälfte der Prä- und der Post-Phase erfolgt zudem über die Erfassung von Auffälligkeiten eine spezifisch auf die Störung abgestimmte Verhaltenstherapie angeboten.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 160)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 160)
Studiendesign Quasi-experimentelle Untersuchung
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 70 Jahre
Ergebnisse In der vorliegenden Studie sollten mittels eines Prä-Post-Designs die Effekte des Interventionsprogramms „Advanced Trauma Psychosocial Support (ATPS)“ auf die kommunikativen Kompetenzen von Unfallchirurgen sowie die Effekte einer störungs-spezifischen Psychotherapie für psychisch auffällige Unfallopfer untersucht werden. Die Studie sollte in einem Prä-Post-Design zeigen, ob durch ATPS eine messbare Verbesserung auf Seiten der Patienten im Hinblick auf die Qualität der psychosozialen Versorgung (z.B. Vertrauen in den Arzt, Zuwendung durch den Arzt, Informationsverhalten des Arztes,) und auf Outcome-Variablen wie Zufriedenheit, subjektiver Behandlungserfolg und subjektive Lebensqualität herbeigeführt werden kann.
Im Rahmen systematischer Literaturrecherchen in medizinischen Datenbanken (z.B. Medpilot) wurde das sogenannte „Four Habits Modell“ (Frankel and Stein 2001) als effektives und effizientes Vorbild für die zu entwickelnde Schulung von Unfallchirurgen identifiziert. Um die Studienziele zu erreichen, wurde von der Arbeitsgruppe das aus zwei Modulen bestehende Interventionsprogramm Advanced Trauma Psychosocial Support (ATPS) erstellt. Zum einen wurde ein praxisnahes Schulungskonzept zum Kommunikationsverhalten von Unfallchirurgen entwickelt, zum anderen ein störungsspezifisches Therapiemanual zur psychotherapeutischen Behandlung von Unfallopfern.
Die wissenschaftliche Projektmitarbeiter sowie ein ärztlicher Kollege wurden durch einen erfahrenen Four Habits-Kommunikationstrainer in das Four Habits Modell (Frankel and Stein 2001) eingewiesen und gleichzeitig selbst zu Moderatoren ausgebildet. Die Schulungen für die Unfallchirugen fanden an fünf Wochenenden in einem Zeitraum von September 2009 bis Februar 2010 statt. Nach der Kommunikationsschulung wiesen die Ärzte (n=22) im Mittel einen signifikant höheren Wert in der Beurteilung ihrer Kommunikationsfähigkeiten auf (p<.0001) auf. Eine qualitative Auswertung des Teilnehmerfeedbacks zeigte, dass die Schulung bei den Unfallchirurgen gut aufgenommen wurde.
Die Daten aus der begleitenden Patientenbefragung wurden mit der Fragestellung ausgewertet, wie sich die Kommunikationsschulung auf Patientenebene auswirkte. Es zeigte sich nach der Schulung eine signifikante Verbesserung der partizipativen Entscheidungs-findung aus sich Sicht der männlichen Patienten, wohingegen die weiblichen Teilnehmer der Post-Gruppe die gesamten Krankenhausleistungen negativer bewerteten. Beim überwiegenden Teil der PRO Outcome-Parameter sowie in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität zeigten sich jedoch keine Veränderungen.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 06.04.2016