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Verbesserung der gesetzlichen Qualitätsberichte auf der Basis einer Patienten-, Einweiser- und Krankenhausbefragung

 

Projektkennung VfD_09_001922
Laufzeit von 10/2009 bis 06/2010
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Krankenhausbefragung:
A) Sind die Qualitätsberichte (QB) verständlich und relevant, um Art, Anzahl und Qualität der Leistungen der Krankenhäuser nach außen transparent und sichtbar darstellen zu können? Wie wird das Verhältnis von Nutzen und Aufwand eingeschätzt? (Ergebnisse von primärem Interesse)
B) Wie werden die einzelnen Berichtsteile eingeschätzt: Welche Informationen sind überflüssig, welche fehlen? Welche Verbesserungen der derzeitigen Struktur und Inhalte der QB sind aus Krankenhaussicht erforderlich?
C) Für welche anderen Zwecke werden die QB genutzt?
D) Welche der Publikationsformen wird für geeigneter gehalten (pdf / XML)?
Patientenbefragung:
A) Kennen die Patienten die gesetzlichen Qualitätsberichte (QB) bzw. die darin enthaltenen Informationen (Kenntnis pdf-Versionen bzw. über Vergleichsportale auf der Basis der XML/CSV-Daten)?
B) Haben die Patienten die QB bei der aktuellen Krankenhauswahl genutzt?
C) Kennen die Patienten die Lesehilfe, finden sie diese verständlich und haben sie diese genutzt?
D) Welche Informationen benötigen Patienten im Vorfeld einer Krankenhausbehandlung für die Auswahl eines Krankenhauses in der jeweils für sie speziellen Situation (z. B. für eine Knie-TEP-Operation)?
E) Wie gehen Patienten zur Informationsgewinnung unter Nutzung der QB vor?
F) Sind die Inhalte verständlich und relevant?
G) Welche relevanten Informationen werden darin gefunden und welche nicht, welche fehlen?
H) Welche Informationen sind überflüssig?
I) Welche Verbesserungen der derzeitigen Struktur und Inhalte der QB sind aus Patientensicht erforderlich?
J) Entspricht die Informationsdarstellung den Patientenpräferenzen?
Ärztebefragung:
1. Kennen die Einweiser die gesetzlichen QB bzw. die darin enthaltenen Informationen (Kenntnis pdf-Versionen bzw. über Vergleichsportale auf der Basis der XML/CSV-Daten)?
2. Haben die Einweiser die QB jemals bei Einweisungsentscheidungen genutzt?
3. Welche Informationen halten Einweiser zur Beratung ihrer Patienten im Vorfeld einer Krankenhausbehandlung für relevant?
4. Welche Informationen sind überflüssig oder fehlen im aktuellen QB?
5. Entspricht die Informationsdarstellung den Einweiserpräferenzen?
6. Welche Verbesserungen der derzeitigen Struktur und Inhalte der QB sind aus Einweisersicht erforderlich?
Hintergrund / Ziele Seit 2004 sind alle Krankenhäuser in Deutschland gesetzlich verpflichtet, zweijährlich einen strukturierten Bericht zur Leistungsfähigkeit und Qualität ihrer Versorgung abzugeben. Einzelne Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, dass die intendierte partizipative Versorgungsgestaltung auf der Basis einer informierten Kranken¬hauswahl nicht im erhofften Maß stattfindet: Als möglicher Grund für die mangelhafte Nutzung kann angeführt werden, dass im Vorfeld der Qualitätsberichtgestaltung nur unzureichende Kenntnisse über den tatsächlichen Informationsbedarf und das Informationsverhalten der Zielgruppen vorlagen. Deshalb hat der Unterausschuss Qualitätssicherung (UA QS) beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossen, der nächsten Überarbeitung der gesetzlichen Qualitätsberichte (QB) eine Patienten-, Einweiser- und Krankenhausbefragung voranzustellen. Mit den Befragungen wurde das Institut für Gesundheitssystemforschung der Universität Witten/Herdecke beauftragt. Hauptziel der Befragungen war es, die konkreten Informationsbedürfnisse der in den Regelungen zum QB vorgesehenen Nutzer der QB – Patienten, Einweiser und Krankenhäuser - in Bezug auf Relevanz und Nützlichkeit der QB bei der Entscheidungsfindung bzw. Auswahl eines Krankenhauses in Erfahrung zu bringen.
Methodik A) Bei der Krankenhausbefragung wurde mit Unterstützung durch das Deutsche Krankenhaus Institut (DKI) eine repräsentative Stichprobe der Krankenhäuser Deutschlands schriftlich zu ihren Einschätzungen der Zweckerfüllung sowie zum Nutzen und Aufwand der QB befragt. Die Bruttostichprobe (disproportionale Zufallsstichprobe nach Betriebsgrößenklassen, BGK) betrug 748 Krankenhäuser, die Response 333 Krankenhäuser (44,5%). Die Daten der Netto-Stichprobe wurden zuerst nach BGK und dann nach Kranken-hausträgerschaft gewichtet deskriptiv und inferenzstatistisch analysiert.
B) 48 Patienten aus zwei Krankenhäusern wurden in Form persönlicher, Leitfaden-gestützter, teilstrukturierter Interviews postoperativ befragt. Nach dem Interview erhielten die Patienten ausgedruckte pdf-Versionen der QB von zwei Krankenhäusern, mit der Bitte, diese im Hinblick auf die Verständlichkeit und den Informationsgehalt sowie die Struktur anzuschauen und nochmals für ein Interview ein bis zwei Tage später zu ihren Erfahrungen mit den Berichten zur Verfügung zu stehen. Die Interviews wurden in strukturierter Form dokumentiert und inhaltsanalytisch qualitativ und zum Teil quantitativ deskriptiv ausgewertet.
C) Die Einweiserbefragung wurde in Form einer Zwischenauswertung einer Studie gestaltet, die aktuell vom Projektnehmer im Rahmen der Versorgungsforschungsinitiative der Bundes-ärztekammer durchgeführt wird. Zielpopulation dieser Einweiserbefragung ist die Gesamtheit der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, wobei eine Beschränkung auf einweisungsstarke Facharztgruppen stattfindet. Letztlich werden 300 Ärzten (je 20 Allgemeinärzte, Internisten, Chirurgen, Gynäkologen, Orthopäden) aus den KVen Thüringen + Sachsen, Niedersachsen, Baden-Württemberg telefonisch, strukturiert befragt. Für die G-BA-Studie standen Daten zur Relevanz von Informationen für die Patientenberatung bei Ein- oder Überweisungsentscheidungen sowie zur Präferenz von Darstellungsformen für qualitätsvergleichende Daten von bis zu 233 Ärzten zur Verfügung. Die Auswertung dieser Daten für die Zwischenauswertung erfolgte deskriptiv.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 333)
   Befragung telefonisch  (Stichprobengröße: 233)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 48)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse A) Die befragten Krankenhäuser hielten die QB mehrheitlich für geeignet, die Art und Anzahl ihrer Leistungen darzustellen, aber eher ungeeignet, die Qualität der erbrachten Leistungen abzubilden. Das Verhältnis von Nutzen zu Aufwand wird überwiegend als nicht angemessen angesehen. Die Krankenhäuser sehen Verbesserungsbedarf im Hinblick auf die Darstellungsweise, Ausführlichkeit, Laienverständlichkeit und Gestaltungsfreiheit. Trotzdem werden die vorliegenden QB für andere externe oder interne Zwecke genutzt.
B) Die befragten Patienten kannten im Allgemeinen die QB nicht. Mit den vorgelegten PDF-Berichten konfrontiert, verstanden sie sie nicht und hielten die Berichtsinhalte nur in geringem Umfang für hilfreich. Anstatt auf der Basis objektiver Informationen, erfolgte die Krankenhauswahl durch die befragten Patienten auf der Basis von Vertrauen in die fachliche und menschliche Kompetenz der Behandler.
C) Ärzte nutzen als Basis ihrer Patientenberatung zu Einweisungsentscheidungen zum Teil genau die Informationen, die ihnen die Berichte bieten könnten. Jedoch kannten weniger als die Hälfte der Ärzte die Berichte und nur jeder zehnte Arzt hat die QB zu diesem Zweck bereits eingesetzt. Viele Kriterien, auf die sich Ärzte bei ihren Beratungen stützen, sind jedoch bislang nicht in den Berichten enthalten.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 19.09.2012