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HOMEfit - Effekte eines Bewegungsprogramms für chronisch kranke und mobilitätseingeschränkte Ältere mit strukturierter Unterstützung durch die hausärztliche Praxis (HOMEfit)

 

Projektkennung VfD_HOMEfit_10_001908
Laufzeit von 12/2010 bis 11/2013
Webseitehttp://www.ruhr-uni-bochum.de/homefit
Status des Projekts laufend
GesamtprojektEntwicklung eines Modells zur gesundheitlichen Versorgung älterer Menschen mit mehrfachen Erkrankungen
ProjektkuerzelPRISCUS II

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Die experimentelle Intervention ist hinsichtlich der Verbesserung der funktionellen Beinkraft (Chair Rise-Test) nach 12 Wochen effektiver als die Kontrollintervention.
Hintergrund / Ziele Körperliche Aktivität leistet einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung funktioneller Fähigkeiten und der Selbstständigkeit im Alter. Chronisch kranke oder mobilitätseingeschränkte Ältere, die in eigener Wohnung leben, sind jedoch schwer durch Interventionen zu erreichen. Die hausärztliche Praxis bietet eine ideale Zugangsmöglichkeit (regelmäßige Kontakte, Vertrauensverhältnis, Feststellung der gesundheitlichen Eignung). Eine Pilotstudie zeigte bereits die Machbarkeit und Akzeptanz des sogenannten HOMEfit-Konzeptes, in dem ein Heimübungsprogramms über eine neuartige Kooperation zwischen hausärztlichen Praxen und Bewegungstherapeuten an die genannte Zielgruppe vermittelt wird (siehe unter "Abgeschlossene Projekte": PRISCUS). Ziel ist es nun, die Effekte u.a. auf funktionelle Parameter und die gesundheitsbezogene Lebensqualität zu überprüfen.

Bei Erfolg des Projektes sind Langzeiteffekte auf klinische Endpunkte und die Kosteneffektivität zu überprüfen. Die hohe Flexibilität des Programms könnte eine zukünftige Implementation in die primärärztliche Versorgung erleichtern.
Methodik Im Rahmen eines RCT sollen 210 Patienten ab 70 Jahren aus insgesamt 15 Hausarztpraxen rekrutiert werden. Die Intervention dauert 12 Wochen und umfasst Beratungstermine mit einem Bewegungstherapeuten in der Praxis und per Telefon. Das HOMEfit-Programm besteht aus Kraft-, Gleichgewichts- und Beweglichkeitsübungen sowie zügigem Spazierengehen und integriert Methoden zur Unterstützung der Verhaltensänderung. Die Kontrollgruppe erhält Instruktionen zur Erhöhung niedrig-intensiver Alltagsaktivitäten.
Primäres Zielkriterium der Studie ist die funktionelle Beinkraft gemessen mit dem Chair Rise-Test. Sekundäre Zielkriterien sind physische Funktionsfähigkeit (motorische Tests), körperliche Aktivität (Schrittzähler), gesundheitsbezogene Lebensqualität (SF-8), Sturzangst (FES-I) und Selbstwirksamkeit zur sportlichen Aktivität (SSA-Skala). Die Hypothese eines Unterschieds zwischen der Interventions- und Kontrollgruppe beim Chair Rise-Test wird nach dem Prinzip Intention-to-treat mittels ANCOVA getestet.

Die Studie ist registriert bei Current Controlled Trials (ISRCTN17727272). Die Gesamtstudienleitung, das Studienmanagement sowie die Gesamtkoordination übernimmt der Lehrstuhl für Sportmedizin und Sporternährung der Ruhr-Universität Bochum. Das Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke ist für die Rekrutierung der Hausarztpraxen, Betreuung und Supervision der Hausärzte und der Praxisteams sowie das Monitoring zuständig. Das Datenmanagement und die statistische Auswertung obliegen der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Ruhr-Universität Bochum.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung telefonisch  (Stichprobengröße: 210)
   Motorische Tests  (Stichprobengröße: 210)
Studiendesign Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 70 bis 100 Jahre
Ergebnisse 15 Hausarztpraxen und 23 Hausärzte (darunter 10 Frauen) im Alter von durchschnittlich 50 Jahren nahmen an der HOMEfit-Studie teil. Ebenso waren insgesamt 5 Bewegungstherapeuten (Durchschnittalter 27 Jahre, 3 Frauen) mit Abschluss im Studienfach Sportwissenschaft beteiligt. 209 von den avisierten 210 Patienten (80 ± 5 Jahre, 154 [74%] Frauen) nahmen an der Studie teil. Die Patientencharakteristika zeigten, dass die gewünschte Zielgruppe chronisch kranker und mobilitätseingeschränkter Älterer erreicht werden konnte: 64% mit mindestens 4 chronischen Erkrankungen, 54% mit Bedarf einer Gehhilfe, 38% mit mindestens einem Sturz in den vergangen 12 Monaten.

Die intention-to-treat-Analyse ergab keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Nur in der per protocol-Auswertung verbesserten sich die Teilnehmenden der HOMEfit-Gruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikant im Hinblick auf Mobilität, Balance, psychische Lebensqualität und sportbezogene Selbstwirksamkeit. Insgesamt blieben die Veränderungen jedoch hinter den Erwartungen zurück (Hinrichs et al. 2014, Kongressbeitrag).

Unter den aktuellen Voraussetzungen ist eine Implementation in die Versorgung nicht gegeben. Aufgrund der Erfolge der Studie hinsichtlich des Erreichens und der Rekrutierung der schwer zugänglichen Zielgruppe (Brach et al. 2013), der Sicherheit des Programms in der vulnerablen Zielgruppe (Hinrichs et al. 2015) sowie der großen Akzeptanz des Konzeptes/Programms seitens der teilnehmenden Ärzte (Bücker et al. 2013), Therapeuten und Patienten [Publikation in Vorbereitung], werden aktuell Verbesserungsmöglichkeiten eruiert, um einen Erfolg des Aktivitätsprogramms sicherzustellen. Die andauernde Auswertung der Fokusgruppen mit Hausärzten und Bewegungstherapeuten liefert wertvolle Optimierungsansätze für das HOMEfit-Konzept.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 24.08.2016