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Rehabilitationsnachsorge – Optimierung und Transfer des „neuen Credo“

 

Projektkennung VfD_11_001878
Laufzeit von 01/2011 bis 04/2014
Webseitehttp://www.forschung-patientenorientierung.de/index.php/projekte/zweite-foerderphase/modul-zwei-phase-2/naso-2-deck.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Innerhalb der 1. Förderphase wurden mit dem Projekt „Rehabilitationsnachsorge – Ein neues Credo für Rehabilitationskliniken“ (nachfolgend Credo-I-Projekt genannt) die Effekte eines längerfristig angelegten, begleiteten Nachsorgekonzeptes für Patienten mit cRS evaluiert, welches auf die Ausübung körperlicher Aktivität fokussiert. Mit dem geplanten Vorhaben für die 2. Förderphase soll hieran angeknüpft werden; drei verschiedene Zielsetzungen werden verfolgt:
A) Für Rehabilitanden, für die hinsichtlich des „neuen Credo“ eine geringere Erfolgsaussicht besteht (Personen mit geringem/ keinem Schulabschluss) soll eine optimierte Strategie entwickelt und anschließend in einer prospektiven, kontrollierten, bizentrischen Längsschnittuntersuchung mit drei Messzeitpunkten erprobt werden.
B) Ob und inwieweit die Rehabilitationserfolge durch die Einführung der eigeninitiativen Nachsorgestrategien langfristig verstetigt werden können, soll eine geplante zweite Katamneseerhebung (24 Monate nach Reha-Ende) zeigen. Im Wesentlichen handelt es sich um die Fortführung der in der 1. Förderphase multizentrisch durchgeführten, prospektiven, kontrollierten Kohortenstudie.
C) In einer einarmigen, prospektiven Beobachtungsstudie (Feasibility) wird die Übertragbarkeit des „neuen Credo“ -mit entsprechend angepassten Modulen- auf den psychosomatischen Indikationsbereich geprüft.
Hintergrund / Ziele Reha-Nachsorge hat sich zu einem zentralen Bestandteil der medizinischen Rehabilitation entwickelt. Es herrscht Übereinstimmung, dass die Probleme von chronisch kranken Patien-ten allein im Rahmen einer dreiwöchigen stationären oder ambulanten Rehabilitation nicht gelöst werden können. Das „neue Credo“ (Deck, Hüppe, Arlt 2009; Hüppe, Deck, Schramm 2010, Deck, Schramm, Hüppe 2011) stellt eine Strategie der Nachsorge dar, die auf eine längerfristige begleitete Eigeninitiative und die Selbstverantwortung der Rehabilitanden unter Einbindung der jeweiligen Rehabilitationseinrichtung fokussiert. Durch die Ausweitung der begleiteten Reha-Nachsorge und deren Kernelement, die Dokumentation der Durchführung der körperlichen Aktivität über einen Zeitraum von 12 Monaten, wird eine Verinnerlichung der Handlungsschritte und den korrespondierenden Aktivitäten erwartet.
Methodik Das „neue Credo“ wurde im Rahmen einer prospektiven, kontrollierten, multizentrischen Studie mit sechs orthopädischen Reha-Kliniken aus Schleswig-Holstein (je drei Interventions- und Kontrollkliniken (IG, KG)) evaluiert. Eingeschlossen wurden Rehabilitanden mit chroni-schen Rückenschmerzen (M51-M54 nach ICD-10).
Der Schwerpunkt der Nachsorge lag auf der körperlichen Aktivität. Die Rehabilitanden der IG wurden mit Beginn der Rehabilitation hinsichtlich der eigeninitiativen Nachsorge geschult, sie erhielten verschiedene Beobachtungs- und Dokumentationshefte für die Zeit während und über einen zwölfmonatigen Zeitraum nach der Reha. Bei Bedarf wurden sie nach der Reha durch einen „Nachsorgebeauftragten“ kontaktiert (zum Rehabilitationsprozess siehe Schramm, Deck, Hüppe, Raspe 2009). Die Rehabilitanden KG erhielten die Standardversor-gung und Standardnachsorge.
Die Evaluation erfolgte durch schriftliche Befragung zu drei Messzeitpunkten, zu Beginn und am Ende der Reha sowie 12 Monate nach Rehabilitationsende. Die Rehabilitanden der IG wiesen zum Katamnesezeitpunkt bei fast allen Outcomegrößen signifikant bessere Reha-Erfolge auf. Um die Verstetigung der eigeninitiativen körperlichen Aktivitäten nach der be-gleiteten Nachsorge zu überprüfen, wurden die Rehabilitanden nach 24 Monaten erneut schriftlich befragt. Einschränkungen der Teilhabe (IMET) und Funktionsbehinderungen im Alltag (FFbH-R) wurden als primäre Zielvariablen definiert. Verschiedene Skalen der subjektiven Gesundheit (Allgemeinbeschwerden, SCL-90R; Vitalität, SF-36; Depressivität, ADS, katastrophisierende Kognitionen, FSS) galten als sekundäre Zielgrößen. Die Auswertungen der Langzeiteffekte erfolgten anhand von Varianzanalysen mit Messwiederholung unter Kontrolle von Alter, Schulbildung und Berufsstatus.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 130)
   schriftliche Befragung  (Stichprobengröße: 190)
Sekundärdaten
   Historische Kontrollen  (Stichprobengröße: 630)
Studiendesign Längsschnittstudie
Quasi-experimentelle Untersuchung
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 65 Jahre
Ergebnisse An der 24-Monatskatamnese beteiligen sich 79% der Rehabilitanden, die zuvor an den vo-rangegangenen Befragungen teilgenommen hatten (N= 422). Die Dropoutquote liegt mit 26% (N=43) bei der IG höher als bei der KG mit 19% (N=67). Dropout und Teilnehmer unter-scheiden sich hinsichtlich Schulbildung und Berufsstatus (p<0.05) sowie mit Blick auf die primären Outcomes nach Ablauf der 12-Monatskatamnese (p<0.05). Auch bei den sekundä-ren Zielgrößen sehen wir signifikante Unterschiede zu Ungunsten der Dropouts (p<0.05). Die Merkmale der Dropout zwischen den Studiengruppen sind vergleichbar. Interventions- und Kontrollgruppe unterscheiden sich zur 24-Monatskatamnese hinsichtlich des Alter (p<0.02) und der Schulbildung (p<0.05).
Mit Blick auf die verschiedenen körperlichen Aktivitäten geben die Rehabilitanden der IG auch nach 24 Monaten signifikant häufiger an, dass sie körperlich aktiv sind, in Form von Krafttraining oder Ausdauersport (p<0.05 bzw. p<0.01). Sie berichten ferner auch nach 24 Monaten signifikant häufiger als die Rehabilitanden der KG, dass sie verschiedene definier-ten Reha-Ziele nach der Maßnahme verwirklichen konnten, insbesondere Steigerung der körperlichen Aktivität, Verbesserung der Beweglichkeit und Schmerzlinderung (p<0.05 bzw. p<0.01). Allerdings hat sich der Umfang der Aktivitäten bei der IG zwischen der 12 und der 24 Monatskatamnese signifikant reduziert, im Durchschnitt um 25%.
Was den Langzeiteffekt nach zwei Jahren betrifft, können wir im Unterschied zur 12-Monatskatamnese bei den primären und sekundären Outcomegrößen keine Vorteile für die IG mehr sehen. Beide Gruppen verschlechtern sich zwischen der 12- und 24-Monatskatamnese, die IG mehr als die KG, so dass nach 24 Monaten keine signifikanten Un-terschiede mehr zwischen IG und KG festzustellen sind.
Was die berufliche Zukunft betrifft, geben die Rehabilitanden der IG nach 24 Monaten aller-dings eine signifikant günstigere Prognose der subjektiven Erwerbsfähigkeit ab.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 03.02.2017