[Zurück zur Trefferliste]

Patientenorientierte Veränderungsmessung: Gesundheitsbewertungen und die Beurteilung der Teilhabe-Relevanz von Behandlungseffekten durch chronisch Kranke

 

Projektkennung VfD_08_001849
Laufzeit von 02/2008 bis 02/2011
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Es wurden verschiedene inhaltliche Fragestellungen, die die Bedeutung der Patientenorientierten Veränderungsmessung empirisch analysieren, untersucht:

a) Welche Präferenzen haben Patienten mit chronischen Rückenschmerzen, chronisch-ischämischer Herzkrankheit und Brustkrebs bezüglich möglicher Gesundheitsverbesserungen und welche Teilhabe-Relevanz nehmen sie nach einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme wahr?

b) Welche soziodemographischen, medizinischen und psychosozialen Faktoren haben einen Einfluss auf die patientenseitigen Gesundheitsbewertungen?

c) Wie hoch ist die Kongruenz von arzt- und patientenseitigen Gesundheitsbewertungen und welchen Einfluss hat diese Kongruenz auf das Ergebnis der Behandlung? Welche Bedeutung haben neben der Kongruenz von arzt- und patientenseitigen Gesundheitsbewertungen anderweitige Aspekte der Arzt-Patient-Beziehung wie z.B. das Vertrauen in den Arzt, die Förderung der Patientenbeteiligung an der Behandlung durch den Arzt oder die allgemeine Zufriedenheit mit der ärztlichen Betreuung?

d) Welche Bedeutung besitzt das Phänomen des „Response-Shifts“ für das Konzept der patientenorientierten Veränderungsmessung?

Hintergrund / Ziele Allgemeine Entwicklungen hin zu einer patientenzentrierteren Gesundheitsversorgung haben sich auch auf methodische Forschungsbereiche wie die Veränderungsmessung ausgewirkt und führen zu der Forderung, dass es – insbesondere bei chronischen Erkrankungen - der individuelle Patient sein sollte, der die Bedeutung seiner gesundheitlichen Veränderung bewertet. In dem Projekt „Patientenorientierte Veränderungsmessung: Gesundheitsbewertungen und die Beurteilung der Teilhabe-Relevanz von Behandlungseffekten durch chronisch Kranke“ wurde eine Konzeption der patientenorientierten Veränderungsmessung entwickelt: das so genannte POEM-Konzept. Das Konzept soll das übliche Vorgehen bei der Bestimmung von Interventionseffekten nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen, indem es durch zusätzliche Fragen und Auswertungen Aspekte der Individualisierung und der patientenseitig bestimmten Signifikanzbeurteilung in das Erhebungsdesign einführt. Das POEM-Konzept sieht folgende drei Arbeitsschritte vor: 1. Die Erfassung der patientenseitigen Gesundheitsbewertungen vor der Intervention, d.h. die Erhebung von Patientenpräferenzen bezüglich möglicher Gesundheitsverbesserungen (operationalisiert z.B. durch Ranking-Aufgaben oder visuelle Analogskalen), 2. Die Erfassung der Teilhabe-Relevanz der erlebten Veränderungen nach der Intervention, 3. Die Auswertung und Rückmeldung der an den Gesundheitsbewertungen gewichteten Effekte sowie der Teilhabe-Relevanz.
Methodik Die Methodik soll im Folgenden getrennt für die beiden qualitativen Vorstudien (Fokusgruppen und kognitive Interviews) sowie für die quantitative Hauptstudie (prospektive Fragebogenerhebung) dargestellt werden.

Qualitative Vorstudien: In sechs Rehabilitationskliniken wurden Fokusgruppen mit insgesamt 42 Patienten durchgeführt. Dabei wurden drei verschiedene Diagnosen aus den Indikationsbereichen Kardiologie, Orthopädie und Onkologie berücksichtigt: chronisch-ischämische Herzkrankheit, chronischer Rückenschmerz und Brustkrebs. Die Auswahl der teilnehmenden Patienten erfolgte durch die Studienkoordinatoren in den jeweiligen Rehabilitationseinrichtungen. Ausschlusskriterien für die Teilnahme an den Fokusgruppen waren eine unzureichende Kenntnis der deutschen Sprache und kognitive bzw. physische Beeinträchtigungen, die keine Teilnahme an einem Gruppeninterview zulassen.

Hauptstudie: Es wurde eine längsschnittliche Datenerhebung mit drei Messzeitpunkten (Reha-Beginn, Reha-Ende, 6 Monate nach der Rehabilitation) realisiert. Zur Bestimmung der Retest-Reliabilität der Gesundheitsbewertungen wurde in einer Teilstichprobe ein Messzeitpunkt 10 Tage vor Beginn der Rehabilitation. Zur Bestimmung der Retest-Reliabilität des Patienten-Urteils der Teilhabe-Relevanz wurde in einer weiteren Teilstichprobe (N=225 Patienten) ein Messzeitpunkt 10 Tage nach dem 6-Monatskatamnesezeitpunkt eingeführt. Es wurden Daten an N=312 Patientinnen mit Brustkrebs, an N=328 Patienten mit chronisch-ischämischer Herzkrankheit sowie an N=189 Patienten mit chronischen Rückenschmerzen erhoben.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 829)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 42)
Studiendesign Kohortenstudie (prospektiv)
Beobachtungsstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Die Ergebnisse des Projekts wurden in neun Fachpublikationen dargestellt. Vier der neun Fachpublikationen sind internationale Beiträge. Die Projektergebnisse wurden ferner durch zehn Vorträge auf Fachkongressen der Öffentlichkeit vorgestellt.
Für Forscher, die einen quantitativen Forschungsansatz mit Erfassung der Veränderung des Gesundheitszustands von chronisch Kranken realisieren und dabei das POEM-Konzept umsetzen möchten, können zusammenfassend folgende Empfehlungen gegeben werden: Bezogen auf die jeweiligen, in der Studie interessierenden Ergebnisbereiche (die in der Regel den Skalen der eingesetzten Outcome-Instrumente entsprechen werden) sollten Items zur Gesundheitsbewertung (z.B. Visuelle Analogskala oder Ranking-Aufgaben) und Items zur wahrgenommenen Teilhabe-Relevanz konstruiert werden. Empfehlenswert ist die Durch-führung eines qualitativen und/oder quantitativen Pretests zur Bestimmung basaler methodischer Gütekriterien dieser Items (z.B. Verständlichkeit, Retest-Reliabilität). Die Items zur Gesundheitsbewertung sollten dem Patienten zum Zeitpunkt vor der Intervention, die Items zur Teilhabe-Relevanz nach der Intervention vorgelegt werden. Mit den von den Autoren beschriebenen Auswertungsschritten können dann – sowohl auf Individual- als auch auf Gruppenebene – die üblichen Analysen um patientenorientierte Auswertungen ergänzt werden, bei denen die Bewertung der erzielten Effekte um eine an den Präferenzen und Erfolgswahrnehmungen des Patienten gewichtete Analyse ergänzt wird. Letztlich wird damit das Ziel verfolgt, eine „Triangulation“ verschiedener Sichtweisen zu erreichen, die - basierend auf verschiedenen Bewertern (Patient, Behandler, u.U. aber auch Angehörige und Leistungsträger) - eine ausgeglichene und umfassende Beurteilung des Erfolgs einer Intervention ermöglicht.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 17.07.2012