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ERGODEM - ERGODEM - Effektivität einer optimierten Ergotherapie bei Demenz im häuslichen Setting

 

Projektkennung VfD_ERGODEM_08_001827
Laufzeit von 04/2008 bis 02/2010
Webseitehttp://www.psychiatrische-versorgungsforschung-tu-dresden.de/cms/projekte/ergo-dem-effektivitaet-einer-optimierten-ergotherapie-bei-demenz-im-haeuslichen-setting/
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Die Durchführung einer optimierten Ergotherapie im häuslichen Setting bewirkt bei leichten und mittelschweren Demenzerkrankungen, dass die ergotherapeutisch behandelten Patienten nachhaltig eine Verbesserung ihrer Alltagsaktivitäten im Vergleich zu Patienten, die nicht ergotherapeutisch behandelt werden, aufweisen.
Hintergrund / Ziele Dementielle Erkrankungen sind bislang nicht heilbar. Allerdings lassen ergotherapeutische Interventionen positive Effekte auf die Alltagskompetenz der Betroffenen und Verbesserungen der Lebensqualität und Gesundheit der Angehörigen erkennen. Doch sind insbesondere im deutschen Sprachraum validierte ergotherapeutische Programme in der Demenzbehandlung nicht etabliert.
Das konkrete Ziel der Studie ERGODEM war es, eine evidenzbasierte ergotherapeutische Behandlungsform zu entwickeln, die einen positiven Einfluss auf die Alltagskompetenz des Demenzpatienten sowie auf seine und die Lebensqualität seines betreuenden Angehörigen hat. Ferner zielte die Studie auf eine standardisierte Therapieempfehlung für eine ergotherapeutische Behandlung leicht- und mittelgradig Demenzerkrankter im häuslichen Setting unter Einbezug der Angehörigen ab, die in die übliche Demenzbehandlung implementiert werden soll.
Methodik In der multi-zentrischen RCT-Studie erhalten 100 Patienten mit der Diagnose einer milden bis mittelgradigen Alzheimer- und vaskulären Demenz randomisiert ein standardisiertes, professionell ausgeführtes ergotherapeutisches Behandlungsprogramm über 6 Wochen. Die nachhaltige Verbesserung vom Betroffenen priorisierter Alltagskompetenzen durch individuelles Training steht im Vordergrund. Ein betreuender Angehöriger ist jeweils in die Behandlung involviert. Die 100 Kontrollpatienten erhalten ein Treatment-as-usual nach den Leitlinien der DGPPN, ohne optimierte Ergotherapie (TAU-Gruppe).
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: k.A.)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 55 bis 110 Jahre
Ergebnisse In den Auswertungen der ERGODEM-Daten zeigte eine im häuslichen Setting durchgeführte ergotherapeutische Behandlung einen positiven Effekt sowohl auf die Alltagsaktivitäten bei Demenzerkrankungen als auch auf die Verhaltensauffälligkeiten bei Demenzerkrankungen sowie die mit diesen Verhaltensauffälligkeiten verbundene Angehörigenbelastung.
Die Alltagsaktivitäten der ergotherapeutisch trainierten Patienten konnten im Verlauf der Behandlung signifikant verbessert werden, wohingegen die TAU-Patienten im gleichen Zeitraum einen Verlust an Alltagsaktivitäten hinnehmen mussten. In den ersten Monaten nach Abschluss der Ergotherapie konnten die Alltagsaktivitäten auf dem erreichten Niveau erhalten werden, wohingegen in den folgenden drei Monaten ein deutlicher Verlust verzeichnet werden musste. Allerdings schnitten die Ergotherapie(ET)-Patienten auch zu diesem Zeitpunkt noch besser als die Treatment-as-usual(TAU-Patienten ab.
Ein vergleichbares Ergebnis fand sich in Bezug auf die erfassten Verhaltensauffälligkeiten und die daraus resultierende Angehörigenbelastung; auch hier blieben die im Rahmen der ET-Behandlung erzielten Verbesserungen zunächst erhalten, bis dann im späteren Verlauf deutliche Verschlechterungen eintraten. Somit zeigte sich zusammenfassend in der Interventionsgruppe ein Effekt der Ergotherapie auf die Erkrankungsprogredienz, der auch 6 Monate nach der Intervention trotz sinkendem Effekt nachweisbar blieb.
ERGODEM bestätigt die Ergebnisse der bislang größten Ergotherapiestudie bei Demenzerkrankten aus den Niederlanden (Graff et al., 2006; 2007), in die 135 Patienten eingeschlossen und 3 Monate nach Ende der Intervention untersucht worden waren. In beiden Studien wird nachgewiesen, dass die spezialisierte und individualisierte Ergotherapie im häuslichen Setting zu einer signifikanten Steigerung der Alltagsfähigkeiten und signifikanten Minimierung die Belastung der Angehörigen, sowie Verbesserung der Lebensqualität führt. Darüber hinaus liefert ERGODEM zusätzliche und neue Befunde zu den Einflüssen der Ergotherapie auf die Verhaltensauffälligkeiten und zu der Nachhaltigkeit des Therapieeffekts über insgesamt 6 Monate nach Abschluss der Intervention. ERGODEM weist nach, dass die Ergotherapie bis 6 Monate nach Beendigung der Therapie einen Effekt auf die klinische Progredienz der Demenz ausüben kann.
Im Rahmen der ERGODEM-Studie fielen pro Patient 1.080 € an zusätzlichen Kosten durch die Intervention im häuslichen Setting an. Die Kostenauswertungen sind gegenwärtig noch nicht abgeschlossen und es wird analysiert werden, ob die erzielten Symptomverbesserungen möglicherweise zu Einsparungen in anderen Versorgungs- und Behandlungssegmenten geführt haben könnten. Es ist auch möglich, dass Einsparungseffekte erst verzögert zur Geltung kommen können, z.B. dadurch, dass Patienten der Interventionsgruppe verglichen mit den Kontrollpersonen eine langsamere Progredienz der erhobenen Symptome aufgewiesen haben.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 07.12.2015