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Sekundärprävention einer Anpassungsstörung bei anhaltendem Tinnitus - Medienbasierte Programme versus Gruppenschulung

 

Projektkennung VfD_08_001826
Laufzeit von 04/2008 bis 09/2011
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) 1. Die Patienten, die eine der Interventionen erhielten, zeigen nach 3 und 12 Monaten eine geringere Ausprägung psychischer, Tinnitus bezogener Belastungssymptome als die Kontrollgruppe.
2. Diese Patienten zeigen ein funktionaleres Coping.
3. Die Behandlungskosten für diese Patienten sind nach einem Jahr geringer als für die der Kontrollgruppe.
4. Sofern die Pbd. schon zum Zeitpunkt der Intervention ein hohes Level an Belastung zeigten, zeigt das Gruppentraining bessere Effekte als die medienbasierten Interventionen.
5. Explorativ sollen mögliche Unterschiede in der Wirksamkeit der verschiedenen Interventionsformen untersucht werden. Insbesondere soll ein Vergleich der beiden mediengestützten Interventionen hinsichtlich ihrer tatsächlichen Nutzung und Wirksamkeit vorgenommen werden.
Hintergrund / Ziele Nach dem Einsetzen des Tinnitus kommt es bei manchen Betroffenen sehr schnell zu einer hohen psychischen Belastung, die in vielen Fällen über mehrere Jahre kaum nachlässt. In der vorliegenden Studie wurde die Wirksamkeit eines kognitiv-behavioralen Behandlungsansatzes (dargeboten entweder als Broschüre, Internet-basiertes Selbstmanagementtraining oder als Gruppentraining) mit der einer Kontrollgruppe verglichen.


Die Teilnehmer berichteten seit maximal sechs Monaten subjektiven Tinnitus, waren zwischen 18 und 76 Jahre alt und bekamen gegenwärtig keine weitere psychotherapeutische Behandlung. Insgesamt wurden 339 Patienten den vier Studienbedingungen randomisiert zugewiesen. Als Erfolgsmaße wurden die Tinnitusbelastung, die Depressivität und die psychosomatische Symptombelastung erhoben. Zudem wurden die Akzeptanz und Nutzung der Programme via Selbstbericht bzw. Log-Daten erhoben. Die Datenauswertung folgte dem intention to treat-Prinzip.


Methodik Die Teilnehmer berichteten seit maximal sechs Monaten subjektiven Tinnitus, waren zwischen 18 und 76 Jahre alt und bekamen gegenwärtig keine weitere psychotherapeutische Behandlung. Insgesamt wurden 339 Patienten den vier Studienbedingungen randomisiert zugewiesen. Als Erfolgsmaße wurden die Tinnitusbelastung, die Depressivität und die psychosomatische Symptombelastung erhoben. Zudem wurden die Akzeptanz und Nutzung der Programme via Selbstbericht bzw. Log-Daten erhoben. Die Datenauswertung folgte dem intention to treat-Prinzip.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 339)
Studiendesign Längsschnittstudie
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)

Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 78 Jahre
Ergebnisse Zum Post-Zeitpunkt war die Tinnitusbelastung signifikant niedriger in der Internet- und der Gruppenbedingung im Vergleich zur Kontrolle bei mittleren bis hohen Effektstärken. Zum Follow up-Zeitpunkt war die Tinnitusbelastung in allen drei Trainingsbedingungen signifikant geringer als in der Kontrollbedingung bei mittleren Effektstärken. Das Ausmaß der psychosomatischen Symptombelastung und der Depressivität unterschied sich nur in einem Fall zwischen den Gruppen: Zum Post-Zeitpunkt zeigten die Teilnehmer der Gruppenbedingung eine geringere Depressivität als die Kontrolle. Dabei konnte durch die Auswertung der für einen Teil der Stichprobe vorliegenden audiometrischen Daten gezeigt werden, dass die objektivierbarere Belastung ableitbar durch Merkmale wie Hörminderung, Tinnituslautheit und Tinnitusfrequenz sich gleich auf die verschiedenen Studienarme verteilte. Hinsichtlich der Bewältigungsfähigkeiten unterscheiden sich die Gruppen im Jahresverlauf kaum. Einzig die Entspannungsfähigkeit steigt in der Gruppen- und in der Internetbedingung signifikant an im Vergleich zur Kontrollgruppe.
Die Zufriedenheit mit den drei aktiven Trainingsbedingungen war signifikant höher als die Zufriedenheit mit der Informationsbroschüre (Kontrolle). Die höchste Zustimmung fand das Gruppen- gefolgt vom Internettraining. Die Dropout-Rate lag zum Follow up-Zeitpunkt bei 39 %. Eine Analyse der log Daten zeigte, dass 64.4 % der Teilnehmer nicht das vollständige Internettraining absolvierten.
In den gesundheitsökonomischen Analysen zeigte sich eine erhebliche Variabilität hinsichtlich der Krankheitskosten im ersten Jahr nach dem Neuauftreten des Tinnitus. Während für knapp 20% der Teilnehmer keine Gesundheitskosten für die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen entstanden sind, verursacht ein geringer Teil der Betroffenen (etwa 10%) etwa 70% der Kosten. Dabei belaufen sich die Hochrechnungen der Gesundheitskosten für diese Subgruppe auf durchschnittlich 4000 Euro. Die vier Studienarme unterschieden sich im Jahresverlauf nicht statistisch signifikant in den Gesundheitskosten. Unter Berücksichtigung der Kosten für die Entwicklung und Durchführung der Interventionen sind aus gesundheitsökonomischer Sicht das internetbasierte Training und das Gruppenangebot am kosteneffizientesten.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 17.07.2012