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Einfluss von Shared Decision Making (SDM) auf die Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen in der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation

 

Projektkennung VfD_08_001777
Laufzeit von 01/2008 bis 12/2011
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Kann durch die Realisierung partizipativer Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) im Indikationsgespräch die Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen sowie die Zufriedenheit mit dem Indikationsgespräch zu berufsorientierten Maßnahmen und der darin getroffenen Entscheidung im Rahmen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation verbessert werden?
Es wurde davon ausgegangen, dass Rehabilitanden, die als informierte, gleichberechtigte Partner in die Entscheidungsfindung bzgl. MBOR-Maßnahmen eingebunden wurden, (a) eine höhere Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen zeigen und (b) zufriedener mit dem Indikationsgespräch und der darin getroffenen Entscheidung sind.
Hintergrund / Ziele Der Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung (Shared Decision Making) ist im Kontext der medizinischen Rehabilitation mehrfach beschrieben worden, im Bereich der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) - der verstärkten Ausrichtung der Rehabilitationsprozesse und -leistungen auf gesundheitsrelevante Aspekte von Arbeit und Beschäftigung - bislang jedoch noch nicht realisiert worden.
Die Motivation zur Auseinandersetzung mit beruflichen Problemlagen ist im Kontext der MBOR von wesentlicher Bedeutung. Zusammenhänge zwischen der Beteiligung eines Patienten an einer Therapieentscheidung und der Motivation zur aktiven Mitarbeit bei der Behandlung sind verschiedentlich (z. B. in der Motivations- und Psychotherapieforschung) dokumentiert und auch im SDM-Ansatz impliziert, da durch Partizipative Entscheidungsfindung nachweislich eine verbesserte Compliance erreicht werden kann. Allerdings gibt es kaum empirische Studien zum Zusammenhang von Partizipativer Entscheidungsfindung mit konkreten Motivationsmaßen. Empirisch gut belegt ist, dass durch Partizipative Entscheidungsfindung die Patientenzufriedenheit gefördert werden kann. Diese stellt für die Evaluation der Versorgungsqualität ein wichtiges Zielkriterium dar.

Ziel des Vorhabens war es daher, den Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung in das Indikationsgespräch zu berufsorientierten Maßnahmen im Rahmen einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme zu integrieren, um den Einfluss auf die Motivation zur Bearbeitung beruflicher Problemlagen und die Zufriedenheit mit dem Indikationsgespräch und der darin getroffenen Entscheidung zu untersuchen.
Methodik Im Rahmen eines quasi-experimentellen Designs mit zeitversetzten Stichproben wurden zwei Kohorten von Rehabilitanden (orthopädische Rehabilitation) mit beruflichen Problemlagen vor (Kontrollphase) und nach (Interventionsphase) Einführung des Ansatzes der Partizipativen Entscheidungsfindung (mittels halbtägiger Behandlerschulungen) in 2 orthopädischen Rehabilitationseinrichtungen rekrutiert und hinsichtlich Motivation, Zufriedenheit, erlebter partizipativer Einbindung und anderen Variablen (Autonomiebedürfnis, sozialmedizinische Variablen) befragt. Innerhalb jeder Erhebungsphase wurden Daten zu fünf Messzeitpunkten erhoben (T0 - Screening auf berufliche Problemlagen am Beginn der Reha-Maßnahme; T1 - vor Indikationsgespräch (Autonomiepräferenz); T2 - nach Indikationsgespräch (partizipative Einbindung, Motivation, Zufriedenheit mit Entscheidungsfindung); T3 - Abschluss Rehabilitation (Zufriedenheit mit Maßnahme insgesamt); T4 - 12-Monats-Katamnese; sozialmedizinische Daten, u.a. subjektive berufliche Leistungsfähigkeit).
Darüber hinaus wurden in einer weiteren Form der Datenanalyse auf Basis der Werte im Fragebogen zur Erfassung der erlebten partizipativen Einbindung (PEF-FB-9) mittels Latent Class-Analysen verschiedene Typen der Patientenorientierung differenziert. Die Rehabilitandenklassen wurden hinsichtlich der Zielgrößen Motivation und Zufriedenheit auf Mittelwertsunterschiede hin getestet.


Anhand von halbstrukturierten Interviews mit n = 13 Behandlern aus 5 Rehabilitationseinrichtungen sollte darüber hinaus die Frage beantwortet werden, inwieweit der Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung in der Routine der medizinischen Rehabilitation, insbesondere im Kontext der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation umsetzbar ist. Die Interviews bezogen sich auf die Umsetzungsbedingungen zur Implementierung des Konzepts im Sinne einer „guten Praxis von SDM“ im klinischen Alltag, mögliche Vor- und Nachteile und mögliche Hinderungsgründe bei der Umsetzung in der Routine.
Datenbasis Primärdaten
   Fragebogenerhebung (Patienten)  (Stichprobengröße: 283)
   Interviews (Behandler)  (Stichprobengröße: 13)
Studiendesign Längsschnittstudie
Quasi-experimentelle Untersuchung
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 65 Jahre
Ergebnisse Es bestanden keine bedeutsamen Unterschiede hinsichtlich Motivation und Zufriedenheitsmaßen zwischen den beiden Erhebungskohorten (Kontrollphase, Interventionsphase). Keine signifikanten Differenzen zeigten sich zudem hinsichtlich der partizipativen Einbindung aus Sicht der Rehabilitanden. Allerdings erstreckten sich die Werte des PEF-FB-9 in beiden Kohorten fast über den gesamten Wertebereich (0 bis 100) des Fragebogens. Daher wurden für weitere Auswertungen vier patientenorientierte Interaktionsformen differenziert, die auf Latent-Class-Analysen der Antworten im PEF-FB-9 basieren: [1] Partizipative Entscheidungsfindung. Rehabilitanden berichteten die strukturierte Einbindung in die Behandlungsentscheidung entsprechend aller neun definierten Prozessschritte der Partizipativen Entscheidungsfindung. [2] Eine patientenorientierte Interaktionsform, bei der sich Rehabilitanden am Entscheidungsprozess beteiligt erlebten, ohne dass jedoch die strukturierte Einbindung erreicht wurde, wie sie für den Ansatz der Partizipativen Entscheidungsfindung kennzeichnend ist (es wurden 6 der 9 PEF-Prozessschritte erlebt). [3] Eine patientenorientierte Interaktionsform, bei der sich Rehabilitanden nicht am Entscheidungsprozess beteiligt erlebten (es wurden 5 der 9 PEF-Prozessschritte erlebt). [4] Keine patientenorientierte Interaktionsform. Die Differenzierung der vier Formen erbrachte keine Hinweise darauf, dass im Kontext der MBOR Rehabilitanden, die Partizipative Entscheidungsfindung erleben, motivierter für die Bearbeitung ihrer beruflichen Problemlagen sind. Hingegen waren Rehabilitanden, die patientenorientierte Interaktionsformen und insbesondere Partizipative Entscheidungsfindung erlebten, zufriedener mit dem Indikationsgespräch und der darin getroffenen Entscheidung.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 26.02.2015