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PROCED - Chronisch entzündliche Darmerkrankungen – mehr als eine Entzündung des Darmes

Somatische und psychosoziale Problemfelder und ihre Versorgung im Fokus von Patienten-Informationen

 

Projektkennung VfD_PROCED__11_001772
Laufzeit von 03/2011 bis 12/2013
Webseitehttp://www.uk-sh.de/index.php?id=49&site=Bevoelkerungsmedizin&lang=de
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) In der Studie soll geprüft werden, ob durch die Rückmeldung individualisierter, problemorientierter Versorgungsempfehlungen an Betroffene mit chronisch entzündlicher Darmerkrankung (CED) eine Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität erreicht werden kann. Neben Daten zur Akzeptanz und Beurteilung des Verfahrens durch die Patientengruppe sollen als Effekte dieser komplexen Intervention, das folgende Versorgungsgeschehen sowie somatische und psychische Gesundheitsparameter (u.a. der subjektive Gesundheitszustand) der Betroffenen erfasst werden.
Hintergrund / Ziele Patientinnen und Patienten mit Morbus Crohn (MC) oder Colitis ulcerosa (CU) werden je nach Schwere des chronischen Krankheitsverlaufs mit unterschiedlichen körperlichen, psychischen und sozialen Problemen konfrontiert. Um eine umfassende problem- und risikoorientierte Versorgung zu gewährleisten, empfehlen evidenzbasierte und konsentierte CED-Versorgungspfade ein regelmäßiges systematisches Problem-Assessment. Dies ermöglicht im Rahmen der medizinischen Betreuung die Berücksichtigung des gesamten Spektrums der Problembelastung der Betroffenen und unterstützt die Suche nach problemorientierten Leistungen, Programmen oder Berufsgruppen. Durch individualisierte Versorgungsempfehlungen sollen die Betroffenen angeregt werden, sich intensiver an der Planung und Organisation ihrer eigenen Versorgung zu beteiligen. Im Rahmen unserer Studie sollten die Wirksamkeit und der Nutzen dieses patientenorientierten Versorgungsansatzes konfirmatorisch geprüft werden.
Methodik Versicherte mit Verdacht auf Morbus Crohn und Colitis ulcerosa wurden in der Versichertendatenbank einer Krankenkasse rückwirkend für einen Zeitraum von zwei Jahren (2009/2010) mit mind. einer Arbeitsunfähigkeitsdiagnose und/oder mind. einer Krankenhausdiagnose (ICD-10 K50 und K51) identifiziert. Eine Zufallsstichprobe dieser Versicherten erhielt einen Studienaufruf mit ersten Informationen zur Studie. Versicherte, die ihre Teilnahmebereitschaft erklärten, bearbeiteten einen Screening-Fragebogen, der 22 somatische und psychosoziale Problemfelder abfragt und patientenorientierte Outcomes erfasst (primäre Zielgrößen: gesundheitsbezogene Lebensqualität; Einschränkung der Teilhabe). Anschließend erfolgte eine Randomisierung auf Interventionsgruppe (IG) und Kontrollgruppe (KG). Die Mitglieder der IG erhielten eine schriftliche Rückmeldung über ihr persönliches Problemprofil zusammen mit adäquaten Versorgungsempfehlungen entsprechend der CED-Versorgungspfade. Sie wurden angeregt, im Gespräch mit ihrem behandelnden Arzt oder ihrer Ärztin Ergebnisse und Empfehlungen zu besprechen. Die Teilnehmer der KG wurden über das Ergebnis der Randomisierung informiert. Um die Entwicklung in den primären Zielgrößen und Veränderungen der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen zu erfassen, erhielten alle Teilnehmer nach 12 Monaten einen zweiten Fragebogen zugeschickt. Parallel wurden Leistungsdaten zu Arbeitsunfähigkeiten und Krankenhausaufenthalten von der TK zur Verfügung gestellt.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 514)
Studiendesign Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse 790 von 2.500 angeschriebenen Versicherten äußerten ihr Interesse an der Studie und erhielten die Studienunterlagen. 545 Personen schickten den Baseline-Fragebogen zur Auswertung zurück. 514 TK-Versicherte konnten in die Studie eingeschlossen werden (55 % Frauen, 50 % MC, 74 % erwerbstätig). Der Altersdurchschnitt liegt bei 42 Jahren (SD=12). In den untersuchten sozio- oder krankheitsspezifischen Parametern zeigten sich für IG und KG keine signifikanten Unterschiede zum ersten Messzeitpunkt. Zur 12-Monats-Katamnese schickten insgesamt 462 Versicherte ihren Bogen an die Studienzentrale zurück. Nach 12 Monaten zeigte sich in allen primären Zielgrößen eine Überlegenheit der IG: In der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (EQ-VAS, Score 0-100) verbesserte sich die IG um 3 Punkte, während die KG sich um einen Punkt verschlechterte (p=0,011). In der Einschränkung der Teilhabe (IMET, Score 0-10) zeigte sich für die Teilnehmer der IG mit einer Verbesserung um 0,4 Punkten eine positivere Entwicklung gegenüber unveränderten Werten in der KG (p=0,013). Mit einer Reduktion um 1,1 Tagen in den berichteten Einschränkungstagen (0-90) erzielte die IG auch in dieser Zielgröße ein signifikant besseres Ergebnis im Vergleich zur Kontrollgruppe (Anstieg um 0,4 Tage; p=0,040). Bei gleicher Ausgangslage berichtete die IG zur 12-Monats-Katamnese signifikant weniger ambulante Facharztarztkontakte in den letzten 12 Monaten, weniger krankheitsbedingte Probleme und bessere Werte in den erfassten Selbstmanagement-Kompetenzen. Keine signifikanten Unterschiede fanden sich für die Anzahl an Krankenhaustagen und -fällen sowie Arbeitsunfähigkeitstagen und -fällen, die Nutzung von nichtmedizinischen Beratungs- und Behandlungsangeboten sowie in der Inanspruchnahme von Rehabilitationsmaßnahmen.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 21.04.2015