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psychenet - Kommunikationsplattform und interaktives Internetportal

Aktionsfeld 1 – Aufklärung und Bildung, Teilprojekt II

 

Projektkennung VfD_psychenet_11_001694
Laufzeit von 01/2011 bis 12/2015
Webseitehttp://www.psychenet.de/ueber-psychenet/teilprojekte/internetportal.html
Status des Projekts abgeschlossen
Gesamtprojektpsychenet - Hamburger Netz psychische Gesundheit
Projektkuerzelpsychenet

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Es sollte ein Internetportal in vier Studienphasen entwickelt und hinsichtlich der Akzeptanz überprüft werden. Neben einer Informations- und Vernetzungsfunktion für Experten und Behandler sollte das Portal zu verschiedenen psychischen Störungen Module zur Information von Patienten, Selbsthilfe, Screening/Selbstbeurteilung sowie eine Suchfunktion bezüglich lokaler Behandlungsangebote enthalten.
Hintergrund / Ziele Ziel von Teilprojekt II war die Erstellung einer Internetplattform, die für Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihre Angehörigen niedrigschwellig evidenzbasierte Informationen und Entscheidungshilfen zu psychischen Erkrankungen und vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten in der Region Hamburg zur Verfügung stellt. Behandler sollten Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen (z.B. Versorgungsleitlinien) bekommen. Durch die Bereitstellung einer Kooperationsplattform sollte die Vernetzung der am Gesamtprojekt beteiligten Wissenschaftler und Kooperationspartner realisiert werden.

Teilprojekt II besteht aus fünf Modulen:
Modul A: Patienteninformationen und Entscheidungshilfen,
Modul C: Selbsthilfeprogramme,
Modul D: Screening / Befindlichkeitsmonitoring / Selbsttests,
Modul E: Übersicht und Suchfunktion zu regionalen Behandlungsangeboten und
Modul F: Vernetzungsplattform für Experten und Behandler.

Aufgrund von Datenschutzeinschränkungen konnte Modul B (Interaktionsplattform und Social-Media-Community für Patienten und Angehörige) nicht implementiert werden.

Basierend auf dem aktuellen Forschungsstand und unter Berücksichtigung der hohen Prävalenz und Relevanz psychischer Störungen wurde ein Internetportal im Sinne einer Informationsplattform mit Selbsthilfeangeboten für die Region Hamburg entwickelt und hinsichtlich der Akzeptanz geprüft. Das Internetportal zielt dabei darauf,

1. Patienten mit psychischen Störungen ihren Bedürfnissen entsprechend über ihre Erkrankung und die Vor- und Nachteile von Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

2. Behandler Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen (z.B. Versorgungsleitlinien) anzubieten

3. Patienten gezielt über die jeweils adäquaten, spezifischen lokalen Behandlungsangebote und -angebote in der Region Hamburg zu informieren.

4. niedrigschwellige Screening- und Selbsthilfemöglichkeiten anzubieten.

5. die an der medizinischen Versorgung beteiligten Behandler sowie die an dem Gesamtprojekt beteiligten Wissenschaftler und Kooperationspartner zu vernetzen.

6. durch die Verwendung unterschiedlicher Sprachniveaus, die Übersetzung in migrantenspezifische Sprachen und der barrierefreien Konzeption sozial benachteiligte Gruppen zu erreichen.

Das Internetportal sollte das Gesamtprojekt und dessen Zielsetzungen beschreiben, Informationen zu den beteiligten Projekten (z.B. Ziele, Zielgruppen, Vorgehensweisen und Ergebnisse der einzelnen Projekte) und Arbeitsgruppen liefern, sowie Angaben zur Finanzierung, Sponsoren und beteiligter Kooperationspartner enthalten. Im Weiteren sollte das Portal Möglichkeiten bieten, die aus Forschung, Wirtschaft und der Versorgung beteiligten Kooperationspartner zu vernetzen, um so die Zusammenarbeit nach innen und außen zu entwickeln und zu fördern und Zugang zu qualitativ hochwertigen Informationen (u.a. Versorgungsleitlinien, Screeninginstrumente, Dokumentationsmaterialien) anzubieten. Die Vernetzung der beteiligten Kooperationspartner ermöglichte ein effektives und effizientes wissenschaftliches Arbeiten und Auswerten bei gleichzeitig hoher Transparenz und Qualitätssicherung. Sämtliche Materialien, die im Rahmen des TP I zur Aufklärung, Information, Edukation und Fortbildung entwickelt werden, sollten in einem Download-Bereich sowohl für Patienten wie auch Institutionen (z.B. Schulen, Betriebe, Universitäten) und Experten zur Verfügung gestellt werden.

Zum Gesamtziel der Gesundheitsregion hat das entwickelte Portal insbesondere in dem Bereich Stärkung der Betroffenen und Angehörigen (Aktionsfeld 4) beigetragen, indem durch Information, Selbsthilfe und Vernetzung die Beteiligung und die Ressourcen der Betroffenen und ihrer Angehörigen gestärkt wurden. Durch die Informationsbausteine und dem offenen Zugang über das Internet wurde zudem auch zur Aufklärung und Bildung der Öffentlichkeit (Aktionsfeld 1) beigetragen. Ein weiterer Schwerpunkt lag im Bereich Diagnostik, Indikationsstellung und Therapie (Aktionsfeld 3). Neben den bereitgestellten Fact Sheets und Entscheidungshilfen zu verschiedenen psychischen Erkrankungen haben Nutzer die Möglichkeit das Screening-Modul mit entsprechenden Handlungsempfehlungen in Anspruch zu nehmen. Als übergeordnetes Projekt war das Projekt mit allen anderen Teilprojekten des NETZWERKS PSYCHISCHE GESUNDHEIT vernetzt, da zum einen Informationen und Interventionen zu allen indikationsspezifischen Zielgruppen angeboten wurden und auch Vernetzungsmöglichkeiten für alle Teilprojekte zur Verfügung gestellt wurden. TP II war im Weiteren eng mit TP I vernetzt, da das Internetportal eine wichtige Funktion im Rahmen der Zielsetzungen des TP I übernahm.

Das Internet bot herausragende Chancen zur Realisierung dieser Zielsetzungen: Es konnte durch die weite Verbreitung viele Nutzer ansprechen. Eine Reduzierung der Hemmschwelle zur Nutzung der Angebote war durch Anonymität und hohe Erreichbarkeit gewährleistet.
Methodik Phase 1 und Phase 2: Entwicklung

Die Entwicklung des Internetportals erfolgte entlang gängiger Qualitätskriterien für Gesundheitsinformationen und -anwendungen im Internet. Zusätzlich wurden die Anforderungen der Systeme HON, Afgis und DISCERN berücksichtigt. Im Rahmen der Durchführung des Needs Assessment, der Überprüfung der Verständlichkeit und Anwenderfreundlichkeit, wurden qualitative (Interviews, Fokusgruppen) und quantitative (Fragebogenerhebungen) Angaben erhoben.

Phase 3: Online-Marketing-Kampagne

Es wurden keine Daten in der dritten Phase erhoben.

Phase 4: Akzeptanzprüfung

In dieser Studienphase wurde die Akzeptanz der Nutzer in Bezug auf das Internetportal überprüft. Es wurden Daten zur Nutzungshäufigkeit und zur Nutzungsdauer bei einzelnen Systemnutzungen erhoben. Da die Intervention mit Hilfe eines Computerprogramms durchgeführt wurde, konnte anhand der Computerprotokolle zusätzlich nachvollzogen werden, welche Informationen die Benutzer abgerufen haben. Die Erhebung zielte auf die Bewertung des Systems in der breiten Umsetzung und wurde bei allen Nutzern erhoben, die nach der Freischaltung der Patienteninformation die Internetseite besuchten und die Informationen in Anspruch nahmen. Diese Daten wurden als quantitative, webbasierte Nutzerbefragung mit Hilfe eines Onlinefragebogens erhoben. Das typische Nutzerverhalten sowie die Nutzungs- und Kommunikationsformen wurden pseudonymisiert getrackt und wissenschaftlich ausgewertet.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung online  (Stichprobengröße: 500)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 90)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 125)
Sekundärdaten
   Befragung online (Akzeptanzprüfung)  (Stichprobengröße: 252)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse 1. Bedarfsanalyse und Prozessevaluation

Die Bedarfsanalyse hat gezeigt, dass für die Nutzer von www.psychenet.de sowohl übergreifende als auch diagnosespezifische Themen relevant sind. Die Prozessevaluation ergab eine starke Nutzung der Webseite. Während der ersten 18 Monate wurden 119.423 Besuche beobachtet. Der Zugang zur Webseite erfolgte vorrangig über die Google Suche (73.9%). 17.6% der Nutzer besuchten die Webseite auf direktem Weg (Dirmaier, J., Liebherz, S., Sänger, S., Härter, M. & Tlach, L. (2015). Psychenet.de: Development and process evaluation of an e-mental health portal. Informatics for Health and Social Care, 0(0), 1-19.).

2. Informations- und Entscheidungsbedarf von Patienten mit Affektiven Erkrankungen

An der webbasierten Querschnittsstudie haben insgesamt 210 Personen mit einer bipolaren Störung/Manie und 112 Personen mit einer unipolaren Depression teilgenommen.
Bei beiden Gruppen besteht der größte Informationsbedarf hinsichtlich allgemeiner Informationen. Entscheidungen zum Behandlungssetting (ambulant oder stationär) und zur Medikation beurteilten sie als die schwierigsten Entscheidungen im Rahmen der Behandlung. Für Teilnehmer mit einer unipolaren Depression gelten auch Entscheidungen zur psychotherapeutischen Behandlung als besonders schwierig. In beiden Gruppen bevorzugt die Mehrheit der Teilnehmer eine Beteiligung an Entscheidungen, derartige Erfahrungen wurden bisher jedoch seltener gemacht als gewünscht (Liebherz, S., Tlach, L., Härter, M. & Dirmaier, J. (2015). Information and decision-making needs among people with affective disorders – results of an online survey. Patient Preference and Adherence, 9, 627–638.; Tlach, L., Wüsten, C., Daubmann, A., Liebherz, S., Härter, M. & Dirmaier, J. (2014). Information and decision-making needs among people with mental disorders: A systematic review of the literature. Health Expectations, 21(10), 12251).

3. Informations- und Entscheidungsbedarf von Patienten mit Angststörungen

An der Online-Befragung zur Internetnutzung, zum Informationsbedarf bei webbasierten Gesundheitsinformationen, zur Rolle bei der Entscheidungsfindung und zu wichtigen Behandlungsentscheidungen haben zwischen Januar und April 2013 insgesamt 60 Personen mit Angststörungen teilgenommen. Das Durchschnittsalter lag bei 33.3 Jahren (SD =10.5) Die am häufigsten genannten Gründe für die Suche nach Gesundheitsinformationen im Internet waren der Bedarf an allgemeinen Informationen über Angststörungen, die Suche nach einem Arzt oder Psychiater oder unzureichende Informationen durch den Behandler. Die Befragten hätten beim Treffen von Entscheidungen gern mehr Mitspracherecht. Entscheidungen zur Psychotherapie, zur Medikation und zum Behandlungssetting (ambulant oder stationär) beurteilten sie als die schwierigsten Entscheidungen (Liebherz, S., Härter, M., Dirmaier, J. & Tlach, L. (2015). Information and decision-making needs among people with anxiety disorders – results of an online-survey. The Patient - Patient-Centered Outcomes Research, 1-9).


4. Informations- und Entscheidungsbedarf von Angehörigen von Menschen mit psychischen Erkrankungen

Psychische Erkrankungen können sich auch stark auf das Leben von Angehörigen auswirken. Hauptgründe für die Online-Suche nach Gesundheitsinformationen waren für die 185 teilnehmenden Angehörigen einer Onlinebefragung der Bedarf an allgemeinen Informationen sowie unzureichende Informationen durch den Behandler. Als schwierigste Entscheidungen im Rahmen einer Behandlung wurden das Behandlungssetting (ambulant oder stationär) und die Medikation genannt (Liebherz, S., Tlach, L., Härter, M. & Dirmaier, J. (under review). What kind of information and decisions are relevant for psychiatric patients’ relatives? Results of an online-survey. Archives of Psychiatric Nursing.).

5. Akzeptanz des E-Mental-Health-Portals www.psychenet.de in Bezug auf Design und Inhalte

Dazu wurde zwischen Mai 2013 und Mai 2015 mit Hilfe eines Onlinefragebogens eine webbasierte Querschnittsstudie zur wahrgenommenen Benutzerfreundlichkeit, zum Nutzen, zur Einstellung gegenüber der Nutzung und zur Vertrauenswürdigkeit der Webseite durchgeführt. Der Großteil der Befragten (N = 252) litt unter einer psychischen Erkrankung (n = 139) oder war Angehörige/-r eines Menschen mit einer psychischen Störung (n = 65). Das Portal wurde von 71% der Befragten als "gut" oder "sehr gut" bewertet. Den Aussagen zur Benutzerfreundlichkeit, zur Nutzungsabsicht und zur Vertrauenswürdigkeit des Portals wurde zu 89-96% zugestimmt. Bei Items zum subjektiven Nutzen der Inhalte des Portals war die Zustimmung geringer. Bei Teilnehmern mit einem geringeren Bildungsniveau war ein Zusammenhang zu einer geringeren Zustimmung bezüglich Verständlichkeit (p = 0,019) und Lesbarkeit (p = 0,012) zu beobachten (Dirmaier, J., Tlach, L., Liebherz, S., Kocalevent, R., Sänger, S., Thiel, J. & Härter, M. (2015). Entwicklung und Evaluation des Webportals www.psychenet.de für das Hamburger Netz psychische Gesundheit. Psychiatrische Praxis 42, Supplement 1: S14-S19; Tlach, L., Thiel, J., Liebherz, S., Härter, M. & Dirmaier, J. (submitted) Evaluation of the acceptance of an e-mental health portal in Germany: results of an online survey.).

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 13.01.2016