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ADHS: Analyse der Auswirkungen des GBA-Beschlusses vom 16.09.2010 zur Einschränkung der Verordnungsfähigkeit von ADHS-Arzneimitteln

 

Projektkennung VfD_11_001675
Laufzeit von 04/2011 bis 12/2013
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Inwieweit hat die GBA-Richtlinie zur Einschränkung der Verordnungsfähigkeit von ADHS-Arzneimitteln unmittelbare Auswirkungen auf die Versorung von ADHS-Patienten?
Hintergrund / Ziele Es ist bekannt, dass das Verordnungsvolumen für Methylphenidat in den letzten zehn Jahren in Deutschland erheblich zugenommen hat. Hierzu existieren bereits Publikationen, die den Arzneimittelverbrauch im Zusammenhang mit der Prävalenzentwicklung beim Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADS / ADHS) untersucht haben. Eine Neuerung ist, dass durch eine Richtlinienänderung des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine Einschränkung der Verordnungsfähigkeit von Arzneimitteln zur ADHS-Therapie in die vertragsärztliche Versorgung eingeführt wurde.
Der G-BA setzte mit Beschluss vom 16.09.2010 Änderungen der Fach- und Gebrauchsinformationen von Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln als Ergebnis eines europäischen Risikobewertungsverfahrens in der Arzneimittel-Richtlinie um. Somit dürfen seit 01.12.2010 diese Arzneimittel nur noch angewendet werden, wenn die Diagnose umfassender als bisher gestellt wird. Dementsprechend dürfen die Arzneimittel nur von einem Spezialisten für Verhaltensstörungen bei Kindern und/oder Jugendli-chen verordnet werden und unter dessen Aufsicht angewendet werden. Bei einer Dauertherapie über zwölf Monate sollte die Therapie mindestens einmal jährlich unterbrochen werden, wobei die Beurteilung der behandlungsfreien Zeitabschnitte besonders zu dokumentieren ist.
Methodik Im TK-Versichertenkollektiv wird die Inanspruchnahme von Methylphenidat-haltigen Arzneimitteln (operationalisiert mit ATC-Code N06BA04) im Zeitverlauf untersucht. Durch einen Vorher-Nachher-Vergleich auf Basis von GKV-Routinedaten wird analysiert, inwiefern sich Art und Umfang der Arz-neimittelinanspruchnahme durch die G-BA-Richtlinie seit dem 01.12.2010 bei TK-Versicherten mit ADS / ADHS geändert haben.
Datenbasis Sekundärdaten
   Krankenkassen - GKV  (Stichprobengröße: 20.000)
Studiendesign Längsschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Acht Monate nach In-Kraft-Treten der GBA-Richtlinie sind unmittelbare Auswirkungen auf die Verordnungshäufigkeit von ADHS-Arzneimitteln im TK-Versichertenkollektiv nicht bzw. noch nicht erkennbar: Im Vergleich zum Zeitraum 2010 (12.2009-07.2010) hat die Anzahl der Versicherten, die Methylphenidat in Anspruch genommen haben, im Zeitraum 2011 (12.2010-07.2011) marginal (+0,3%) zugenommen. Dabei ist die DDD-Gesamtmenge geringfügig (+1,1%) angestiegen, wobei die Anzahl der Verordnungen nahezu konstant (+0,1%) geblieben ist.

Ob sich diese Entwicklung (Routinedaten-Verfügbarkeit mit Stand vom 11.10.2011) innerhalb von 2011 weiter fortsetzt, ist beim Vorliegen der Arzneimittelabrechnungsdaten für August bis Dezember 2011 detailliert darzustellen. Zum aktuellen Zeitpunkt könnte man annehmen, dass für vorbestehende Fälle eine um-fassende ADHS-Diagnostik und -Therapie unabhängig von der GBA-Richtlinie bereits erfolgt. Inwieweit dies auch für neu diagnostizierte ADHS-Fälle zutrifft, ist durch Subgrup- penanalysen separat zu untersuchen, wobei auch regionale sowie Arztgruppen-spezifische Besonderheiten im Zeitverlauf berücksichtigt werden sollten. Diese Analysen sind aber noch nicht möglich, da die hierfür erforderlichen ambulanten KV-Quartals-Abrechnungsdaten (anders als die zeitnah verfügbaren monatlichen Arzneimittelabrechnungsdaten über Apothekenrechenzentren) erst mit erheblicher Zeitverzögerung (ca. 9-12 Monate) für GKV-Routinedatenanalysen zur Verfügung stehen.

Trotz vorhandener methodischer Limitationen von GKV-Routinedaten können mit adäquaten Indikatoren aktuelle Verhaltensveränderungen von Versicherten und Leistungserbringern im Zusammenhang mit der Arzneimitteltherapie beim Krankheitsbild ADS / ADHS erfasst werden. Somit sind GKV-Routinedatenanalysen geeignet, im Rahmen einer Politik-folgenforschung zeitnah Hinweise auf die Auswirkungen der Versorgung von GKV-Patienten zu geben.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 11.06.2012