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PARTID - Proaktive Rehabilitation und telefonische Intervention bei Diabetes mellitus Typ 2

Eine kontrollierte, randomisierte Studie bei DMP-PatientInnen

 

Projektkennung VfD_PARTID_08_001611
Laufzeit von 04/2008 bis 09/2012
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Überprüft werden soll, ob ein aktives Screeening auf Rehabilitationsbedarf bei PatientInnen mit Diabetes mellitus Typ 2 und nachfolgender Rehabilitationsempfehlung geeignet ist, den Gesundheitszustand der PatientInnen langfristig zu verbessern.
Kann durch eine telefonische Nachsorge die Nachhaltigkeit der stationären Rehabilitation bei Diabetes mellitus Typ 2 verbessert werden?
Hintergrund / Ziele Die medizinische Rehabilitation bietet gute Bedingungen zur Umsetzung eines multimodalen Behandlungsansatzes bei Diabetes mellitus Typ 2. Trotz steigender Prävalenzraten werden vergleichsweise wenige Rehabilitationen bei DMT2 durchgeführt. Grundsätzlich ist die Rehabilitation eine Antragsleistung und ein aktives Fahnden nach Rehabilitationsbedarf durch die Träger wurde bislang nur in Modellprojekten erprobt. Erste Ergebnisse deuten auf eine Wirksamkeit der stationären Rehabilitation bei Diabetes mellitus Typ 2 hin (Hüppe et al., 2008). Die vorliegende Untersuchung prüft Praktikabilität und Nutzen eines aktiven Screenings nach Rehabilitationsbedarf bei Patienten im DMP Diabetes mellitus Typ 2.

Allerdings scheint für eine erfolgreiche Veränderung des Lebensstils eine längerfristige Betreuung günstig zu sein (Eakin et al., 2007). Eine zielgerichtete telefonische Reha-Nachsorge kann dabei unterstützen, während der Rehabilitation erreichte Verhaltensänderungen in den Alltag zu implementieren (Flöter & Kröger, 2009).

Im Rahmen einer randomisierten, kontrollierten Studie (RCT) soll die Wirkung einer multimodalen dreiwöchigen Rehabilitationsmaßnahme bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 geprüft werden, die aktiv auf das Vorliegen von Rehabilitationsbedarf gescreent wurden. Eine telefonische Nachbetreuung durch speziell geschulte Betreuungskräfte soll die Patienten dabei unterstützen, während der Rehabiliation erreichte Lebenstiländerungen in den Alltag zu implementieren.
Methodik Zur Feststellung von Rehabilitationsbedarf erhielten aktive Versicherte der DRV Rheinland unter 55 Jahre, die in das DMP Diabetes mellitus Typ 2 der AOK Rheinland/Hamburg eingeschrieben sind, einen Selbstausfüllbogen zugesandt, in dem Behandlungsbedarf in diabetesspezifischen Problembereichen (anhaltenden Überzuckerung, Bewegungsmangel u. a.) geprüft wurde. Als Kriterium für Rehabilitationsbedarf wurde die aktuelle Behandlungskomplexität erfasst, die sich aus der Zuordnung von Problembereichen zu spezifischen Behandlungszugängen (Diabetesschulung, Bewegungsintervention etc.) ergibt. Bei Vorliegen von Rehabilitationsbedarf und Erfüllen der Einschlusskriterien wurden die Versicherten per Zufall der Interventions- bzw. Kontrollgruppe zugeordnet. Die Interventionsgruppe erhielt eine Rückmeldung über den festgestellten Rehabilitationsbedarfes, mit der Empfehlung eine stationäre Rehabilitation zu beantragen.

In die telefonische Nachsorgestudie wurden Patienten mit unterschiedlichen Zugangswegen zur stationären Rehabilitation eingeschlossen. Rekrutiert wurden alle Patienten, die die sich in Folge eines aktiven Screenings nach Rehabilitationsbedarf im Projekt PARTID in der Klinik befanden sowie Patienten im Alter von 18 - 70 Jahren, die sich auf herkömmlichen Zugangswegen in stationärer Rehabilitation wegen Diabetes mellitus Typ 2 befanden.

Die Ergebnisauswertungen erfolgten für intervallskalierte Variablen mittels Mehrebenen-Modellen der Veränderungsmessungen. Geprüft wurde dabei der Einfluss der Gruppenzugehörigkeit(Intervention vs. Kontrolle) auf den Verlauf der Veränderung. Als zusätzliche Prädiktoren (Kontrollvariablen) wurden Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, Komorbidität, Schulbildung, Erwerbsstatus, Familienstand sowie der Ausgangswert der jeweiligen Variablen in das Modell eingegeben. Für den Endpunkt Rauchen erfolgte die Ergebnisauswertung mittels logistischer Regression.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: 829)
Studiendesign Längsschnittstudie
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 54 Jahre
von 18 bis 70 Jahre
Ergebnisse Im Rahmen der Studie konnten 5.500 Versicherte der AOK Rheinland/Hamburg, die in das DMP Diabetes mellitus Typ 2 eingeschrieben waren angeschrieben werden. 850 Versicherte (15,4%) schickten den ausgefüllten Fragebogen zurück. Bei 829 Versicherten davon konnte geprüft werden, ob Rehabilitationsbedarf vorliegt. Bei 94 Prozent bestand Bedarf an drei oder mehr Behandlungsmaßnahmen (bei 72% ≥5 Behandlungen). Von diesen Versicherten erfüllten 428 die Einschlusskriterien nicht (62% aus persönlichen Gründen wie z. B. Pflege von Familienangehörigen; 18 % wegen sonstiger Ausschlussgründen), so dass 401 Versicherte in die Studie eingeschlossen werden konnten. Im Verhältnis 3 :1 wurden 299 PatientInnen randomisiert einer Interventions- und 102 einer Kontrollgruppe zugeordnet.

Ergebnisse des Proaktiven Screenings (1. Fragestellung):
131 PatientInnen der Interventionsgruppe absolvierten eine Rehamaßnahme, in der Kontrollgruppe waren es 8. Die Rücklaufquote zum Katamnesezeitpunkt betrug 82 Prozent. Bei der Analyse nach dem Prinzip intention-to-treat (ITT) fand sich kein signifikanter Effekt hinsichtlich des kardiovaskulären Risikos (p = .68); bei der Analyse per-protocol zeigte sich dagegen ein signifikanter Effekt zugunsten der Interventionsgruppe (p = .025). Männer und PatientInnen mit einfachen Problemlagen profitierten von der Intervention.

Ergebnisse der telefonischen Nachsorgestudie (2. Fragestellung):
Von Patienten, die die sich in Folge des aktiven Screenings nach Rehabilitationsbedarf im Projekt PARTID in der Klinik befanden, erklärten sich 99% (122) zu einer Teilnahme an der telefonischen Nachsorge bereit. Zusätzlich wurden weitere Patienten mit herkömmlichen Zugangswegen zur Rehabilitation konsekutiv rekrutiert. Hier lag die Teilnahmequote bei 36% (127 von 358 eligiblen Patienten). Die Studienablehner bei den zusätzlich rekrutierten Patienten unterschieden sich hinsichtlich Alter (t = .885; df = 355, p = .377) und Geschlecht (Chi2(1) = .115, p = .735, n = 358) nicht signifikant von den Teilnehmern. Die Patienten wurden durch externe Randomisierung einer Interventionsgruppe (monatliche telefonische Nachsorge über 12 Monate) und einer Kontrollgruppe (2-maliges schriftliches Aufmerksamkeitsplacebo 3 und 9 Monate nach Klinikentlassung) zugeordnet. Zur Baseline konnten Daten von 248 PatientInnen (IG: 122; KG: 126) ausgewertet werden. Die Studienteilnehmer der telefonischen Nachsorge sind überwiegend männlich und im Mittel 51 Jahre alt, haben zu 71% Hauptschulabschluss oder keinen Abschluss. Der durchschnittliche BMI liegt bei 36 und im Mittel sind sie seid 9 Jahren an DMT2 erkrankt.
Signifikante Unterschiede zwischen Studiengruppen zeigten sich im systolischen Blutdruck, dem kardiovaskulären Risikofaktor sowie dem subjektiven Gesundheitszustand. Hier hatte die Kontrollgruppe zur Baseline im Mittel schlechtere Werte als die Interventionsgruppe.
Von 199 StudienteilnehmerInnen (80 %) lagen zum Katamnesezeitpunkt vollständige Daten vor. Die TeilnehmerInnen erhielten im Durchschnitt 11 Telefonanrufe von etwa 20 Minuten Dauer (Median); 85 Prozent der TeilnehmerInnen erhielten zwischen 10 und 13 Anrufe. Die Auswertung nach dem ITT-Prinzip zeigte in der telefonischen Nachsorgegruppe ein signifikant geringeres kardiovaskuläres Risiko (p = .003) sowie geringere HbA1c-Werte (p < .001); auch hinsichtlich Depressivität
(p = .031), Lebensqualität (p = .020), diabetesbedingter Probleme
(p = .044) und körperlicher Aktivität (p < .001) zeigten sich bessere Ergebnisse in der Interventionsgruppe.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 02.02.2015