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Per-Dem - Person-Zentrierung und Konzepte der Person im Kontext von Demenz

 

Projektkennung VfD_Per-Dem_14_003864
Laufzeit von 07/2014 bis 12/2018
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) 1. Was meint der Begriff Person-Zentrierung im Kontext von Demenzerkrankungen in der Forschungsliteratur?
2. Welche Vorstellungen von Person-Zentrierung existieren?
3. Gibt es Gemeinsamkeiten und/oder Unterschiede in der Definition des Begriffs?
4. Gibt es einen einheitlichen theoretischen Bezugsrahmen?
5. Welche Konzepte der Person werden in der Forschungsliteratur im Hinblick auf Menschen mit Demenz zugrunde gelegt?
6. Welche Konsequenzen ergeben sich aus den zugrunde liegenden Konzepten der Person für die Demenzforschung und -pflege?
Hintergrund / Ziele Seit Mitte der 1990er Jahre wird Person-Zentrierung – häufig in Anlehnung an Tom Kitwood –sowohl in der Versorgung von Menschen mit Demenz (MmD) als auch in der Demenzforschung offensiv vertreten. Als Alternativkonzept zu einer vornehmlich klinisch-medizinischen Herangehensweise markiert Person-Zentrierung einen Perspektivwechsel im Umgang mit MmD. Dieser Perspektivwechsel zielt anstelle der Behandlung oder Heilung der Demenz vordergründig auf die psychosozialen Folgen ab, so z. B. auf eine Erhöhung der Lebensqualität. Unter dem Label Person-Zentrierung findet sich dabei ein breites und heterogenes Feld von konkreten pflege- sowie betreuungspraktischen Maßnahmen, theoretischen Überlegungen bis hin zu Leitbildern von Leistungsanbietern und Forschungseinrichtungen. Seit den 90er Jahren steigt auch die Anzahl der Publikationen, welche allerdings sehr unterschiedlichen Bezug auf das Konzept nehmen. Angesichts dieser Entwicklung stellt sich die Frage, inwiefern Person-Zentrierung als ein einheitliches Konzept verstanden werden kann und auf einer gemeinsamen theoretischen Grundlage fußt.
Darüber hinaus stellt das Konzept der Person-Zentrierung Theorie und Praxis insbesondere im Hinblick auf MmD vor spezielle Herausforderungen. Der progrediente Krankheitsverlauf hat für die Betroffenen direkte Auswirkungen auf Welt-Erfahrung sowie Möglichkeiten des Lernens und damit ebenso Auswirkungen auf die personale Identität, welche im Verlauf der Krankheit zusehends brüchiger wird. So scheint bis dato keine Einigkeit darüber zu bestehen, wie vor dem Hintergrund einer Demenzerkrankung das Personsein konzipiert werden kann.
Um der Komplexität des Feldes der Person-Zentrierung bei Demenz gerecht zu werden, wird das hier dargestellte Forschungsprojekt Per-Dem zweigeteilt. Im ersten Teil des Projektes stehen die ersten vier Fragen im Fokus, im zweiten Teil des Projektes wird den weiteren zwei Fragen nachgegangen. Der so entstehende systematische, inhaltliche Überblick zum Thema Person und Demenz ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit Theorien innerhalb der Demenzforschung sowie mit bestehenden Pflegekonzepten. Mittelfristig bildet die vorstehende Analyse die Grundlage für ein Konzeptpapier, welches in der internationalen Debatte um Person-Zentrierung eine konkrete Positionierung des DZNE-Standortes Witten ermöglicht.
Methodik Es wird eine umfassende systematische Literaturrecherche in Form einer Scoping-Studie durchgeführt, um ein möglichst breites Spektrum an Literatur abbilden zu können. Neben einer Literaturrecherche in neun Datenbanken werden relevante Publikationen zusätzlich mit Hilfe einer Handrecherche und durch Expertenkonsultation gewonnen. Anschließend werden die Volltexte in MAXQDA ausgewertet. Für die Bearbeitung der ersten Forschungsfrage werden, zum Zweck einer konzeptionellen Analyse, aus den identifizierten Publikationen Kategorien gebildet, um auf diese Weise unterschiedliche Vorstellungen von Person-Zentrierung inhaltlich-qualitativ beschreiben und zudem numerisch quantifizieren zu können.
Die Ergebnisse der Scoping-Studie werden genutzt, um in einem nächsten Schritt die zweite und dritte Forschungsfrage zu bearbeiten. Um die der Forschungsliteratur zugrunde liegenden Konzepte der Person zu identifizieren und sie differenziert gegenüberstellen zu können, muss die Suchstrategie zur ersten Forschungsfrage gegebenenfalls modifiziert und eine weitere Recherche durchgeführt werden. Die anschließende Auswertung erfolgt ebenfalls mit MAXQDA.
Datenbasis In dem Projekt werden keine Daten verwendet.
Studiendesign Literaturarbeit
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Unter Bezugnahme auf einschlägige Veröffentlichungen zum Thema Person und Demenz (u. a. die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zu Demenz und Selbstbestimmung 2012) wurden Schlüsselwörter generiert und eine den jeweiligen Datenbanken angepasste Suchstrategie entwickelt. Eine systematische Literaturrecherche wurde in neun Datenbanken (Medline, PsychInfo, PubPsych, Cinahl, Scopus, Web of Science, Cochrane, Sowiport, EBSCO – Geisteswissenschaften) durchgeführt (Treffer n=3527), die Duplikate entfernt und ein Titel/Abstract-Screening zur ersten Forschungsfrage durchgeführt. Aktuell findet die Auswertung der Volltexte mit MAXQDA statt und erste Ergebnisse wurden (inter)nationalen Kooperationspartnern präsentiert. Der Abschluss der ersten Projektphase (Scoping-Studie) ist für 2017 geplant.
Autonomie gilt als zentraler Aspekt des Status des Person-seins. Auf Basis der ersten Ergebnisse der Scoping-Studie aus Per-Dem, konnte ein Beitrag zu der Debatte um Social Health und Demenz geleistet werden. In einem mehrstufigen Verfahren wurden die in Per-Dem identifizierten Publikationen diskursanalytisch ausgewertet und die heterogenen Konzeptionen von Autonomie im Kontext von Demenz herausgearbeitet. Dies trägt zur Konsolidierung des Konzepts von Social Health durch die Hervorhebung sozialer Attribution und der Wahrnehmung des Personseins bei. Diese Ergebnisse wurden auf einer internationalen Konferenz in Kopenhagen dem Fachpublikum präsentiert.

Die Ergebnisse des Projekts Per-Dem liefern einen systematischen Überblick zur aktuellen Diskussion um Person-Zentrierung im Hinblick auf MmD. Neben einer Konzeptklärung ermöglichen die Ergebnisse eine kritische Auseinandersetzung mit bestehenden Pflegekonzepten und generell der Theoriebasiertheit innerhalb der Demenzforschung. Dies konnte beispielhaft in dem konzeptionellen Beitrag zum Diskurs um Social Health umgesetzt werden. Für den DZNE-Standort Witten tragen die Ergebnisse zu einer inhaltlichen Positionierung in der internationalen Debatte um Person-Zentrierung und Demenz, sowohl im Hinblick auf Forschung als auch bezüglich der Pflege, bei.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 21.07.2017