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Zentrenbildung - Qualität, Wirksamkeit und Kosten der Versorgung von Patienten mit kolorektalem Karzinom in Sachsen. Welche Rolle spielt die Behandlung in zertifizierten Zentren?

eine sekundärdatenbasierte Kohortenstudie

 

Projektkennung VfD_Zentrenbildung_16_003773
Laufzeit von 08/2016 bis 04/2018
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, haben höhere Überlebensraten im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, weisen ein besseres Gesamtüberleben auf im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, haben eine geringere erkrankungsspezifische Mortalität im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, weisen ein besseres 1-Jahres-Überleben (sowie 2-, 3-, 4-, und 5-Jahres Überleben) auf im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, haben geringere Lokalrezidivraten im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, weisen seltener postoperative Komplikationen auf im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, haben eine geringere Nachbehandlungsrate (Nachresektion) im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, haben eine geringere Fernmetastasierungsrate im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem zertifizierten Zentrum operiert werden, verursachen geringere direkte Erkrankungskosten (stationäre) im Vergleich zu ansonsten vergleichbaren Patienten mit der Diagnose eines kolorektalen Karzinoms, die in einem nicht-zertifizierten Zentrum operiert wurden.
Hintergrund / Ziele Hintergrund:

Eine erfolgreiche chirurgische Behandlung des kolorektalen Karzinoms ist der wichtigste Prognosefaktor für das Gesamtüberleben der betroffenen Patienten. Darüber hinaus wirkt sich eine erfolgreiche Resektion auch positiv auf die Lebensqualität der Patienten und die Kosten der Therapie aus. Ein Rezidiv und die damit einhergehende Chemotherapie verursacht hohe Kosten. Eine erfolgreiche chirurgische Behandlung ist deswegen sowohl für Patienten als auch für Kostenträger von enormer Bedeutung.
In der operativen Therapie konnte gezeigt werden, dass hierbei unterschiedliche Faktoren für ein gutes Outcome relevant sind. Spezialisierte Zentren mit einer hohen Fallzahl für einen bestimmten Eingriff („High Volume“ Kliniken) weisen signifikant bessere Operationsergebnisse auf als Zentren mit niedrigen Fallzahlen („Low Volume“ Kliniken). Dabei sind die Unterschiede zwischen „High Volume“ und „Low Volume“ Kliniken wesentlich von der Komplexität des Eingriffes abhängig.
Gerade komplexe Eingriffe wie Pankreasresektionen zeigen bis zu 12% bessere Ergebnisse in spezialisierten Zentren mit hohen Fallzahlen. Für das kolorektale Karzinom konnten umfassenden Metaanalysen signifikant bessere Operationsergebnisse an spezialisierten Zentren nachweisen. Gleichzeitig bestehen große Unterschiede zwischen verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen Gesundheitssystemen. Bisher stammt die Mehrheit der Studien aus dem nordamerikanischen Raum und ist nicht ohne weiteres auf andere Gesundheitssysteme wie das deutschen vergleichbar.

Nur wenige Studien untersuchen dieses Thema im deutschen Gesundheitssystem. So konnten Hermanek et al. 1994 große Qualitätsunterschiede in der chirurgischen Versorgung von kolorektalen Karzinomen bestätigen. Dabei zeigten Patienten mit fortgeschrittenen Tumorstadien, die in spezialisierten Zentren operiert wurden doppelt so hohe 5 Jahres- Überlebensraten als Personen welche in Zentren ohne Spezialisierung operiert wurden. Neuere Studien konnten weiterhin Unterschiede bestätigen. Mroczkowski et al. zeigte in seiner Arbeit, dass die postoperative Mortalität in „high-volume“ Kliniken signifikant geringer war als in Krankenhäusern mit einer geringen Fallzahl. Auch konnte er zeigen, dass „high volume“ Kliniken eine geringere Lokalrezidivrate und eine besseres Überleben hatten. Obwohl insgesamt 345 chirurgische Abteilungen in Deutschland an der Qualitätsstudie zum Kolonkarzinom teilgenommen haben ist davon auszugehen, dass nur Kliniken mit einem bestehenden Qualitätsdenken ihre Daten gegeben haben. Ein weiterer Nachteil war, dass das Überleben der einzelnen UICC Stadien nicht wie bei Hermanek angegeben wurde. Zudem schließt die Studie nur Patienten ein, die bis zum Jahr 2004 operiert wurden. Damit fehlen Studien, die die aktuelle Versorgungssituation adäquat abbilden.

Das deutsche Gesundheitssystem unterliegt seitdem einem stetigen Wandel. Im Rahmen der umfassenden Gesundheitsreformen wurde 2004 unter anderem die Fortbildungspflicht für Mediziner in Deutschland eingeführt. Dadurch sollte eine schnelle flächendeckende Verbreitung von neuen und für eine adäquate Tumorchirurgie essenziellen Therapiekonzepten sichergestellt werden. Zudem erfolgte im Jahr 2006 die Zertifizierung des ersten Darmkrebszentrums in Deutschland. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es in Deutschland 266 zertifizierte Zentren, 10 davon im Bundesland Sachsen.

Ziel und Fragestellungen:

Das primäre Ziel der Studie ist die wissenschaftliche Untersuchung der Qualität, Wirksamkeit und der Kosten der Versorgung von Patienten mit kolorektalem Karzinom in Sachsen unter besonderer Berücksichtigung der Rolle einer Behandlung in einem zertifizierten Zentrum. Es soll dabei aufgezeigt werden, ob es Unterschiede zwischen kleinen Krankenhäusern und spezialisierten Darmkrebszentren gibt. Mit den Ergebnissen soll die Versorgung der an Darmkrebs erkranken Patienten verbessert werden und die Kosten des Gesundheitswesens gesenkt werden.
Diese Studie wird die aktuelle flächendeckende chirurgische Versorgung des kolorektalen Karzinoms im Bundesland Sachsen darstellen.
Dabei soll die Qualität der chirurgischen Behandlung in Abhängigkeit von der Expertise der behandelnden Klinik untersucht werden. Endpunkte stellen hierbei eine mögliche Nachresektion des Tumors, die Lokalrezidivrate sowie die 5-Jahres Überlebensrate dar.
Die Ergebnisse werden darauf untersucht, ob eine Behandlung in einem spezialisierten Zentrum mit hohen Fallzahlen tatsächlich mit einem besseren Outcome, definiert über die oben genannten Endpunkte, korreliert und ob dieser Unterschied von klinischer Relevanz ist. Hiermit soll untersucht werden, ob durch die verschiedenen Maßnahmen eine flächendeckende Umsetzung von neuen chirurgischen Techniken erreicht werden konnte und ob die Bevölkerung davon profitiert.
Methodik Für die Auswertung sind stationäre und ambulante Daten der AOK PLUS, welche auf Patientenebene zur Verfügung stehen, vorgesehen. Herangezogen werden sollen Daten von Versicherten, die in den Jahren 2007 bis 2014 wegen eines kolorektalen Karzinoms in einem Krankenhaus in Sachsen operiert wurden. Um inzidente Fälle zu identifizieren werden zusätzlich ambulante Daten aus den Jahren 2005 bis 2014 herangezogen. Ein Vertrag zur wissenschaftlichen Nutzung von Routinedaten der AOK PLUS durch die Arbeitsgruppe von Prof. Schmitt an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden (TUD) liegt vor.
Zusätzlich zu den an der TUD vorliegenden Daten werden zur Beantwortung der wissenschaftlichen Fragestellung benötigt:
• Daten zur Zertifizierung (OnkoZert),
• Anzahl der behandelten Fälle der Fachabteilung (Chirurgie) insgesamt
• Anzahl der behandelten Fälle der Fachabteilung mit kolorektalem Karzinom, um den Grad der Spezialisierung abzuleiten,
• Angaben über Trägerschaft des Krankenhauses,
• durchschnittlicher Case Mix Index der behandelnden Fachabteilung (Chirurgie) zur Risikoadjustierung,

Um Rückschlüsse auf den Leistungserbringer zu verhindern wird folgende Vorgehensweise für den Datenübermittlung vorgeschlagen: Das ZEGV ermittelt alle inzidenten Fälle mit kolorektalem Karzinom entsprechend nach o.g. Definition. Die entsprechenden Pseudo- und Fallnummern werden der AOK PLUS zugespielt. Im nächsten Schritt ordnet die AOK PLUS Information zur Zertifizierung/nicht-Zertifizierung (ja/nein), die Anzahl der behandelten Fälle der Fachabteilung insgesamt und mit kolorektalem Karzinom, den CMI für Fälle mit Kolorektalem Karzinom/Rektumskarzinom (ICD-10: C18 - C21) der behandelten Fachabteilung (z.B. in Quintilen) und Angaben zur Trägerschaft den jeweiligen Fallnummern zu. Die entsprechenden Informationen werden an das ZEGV zurückgesendet und können dort zur weiteren Verwendung mit den vorliegenden Daten verknüpft und ausgewertet werden.
Die Datennutzung und -auswertung an der TUD erfolgt ausschließlich anonymisiert. Bei der Präsentation von Ergebnissen umfasst die kleinste dargestellte Fallgruppe mindestens 10 Patienten bzw. Leistungserbringer.
Datenbasis Sekundärdaten
   Krankenkassen - GKV  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Längsschnittstudie
Kohortenstudie (retrospektiv)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 1 bis 99 Jahre
Ergebnisse --

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 09.03.2017