[Zurück zur Trefferliste]

Untersuchung zur Erfassung von Schweregraden in Routinedaten bei ausgewählten Diagnosen: Literaturüberblick und Routinedatenanalyse zu unterschiedlichen Operationalisierungen sowie deren Bewertung.

 

Projektkennung VfD_15_003765
Laufzeit von 01/2015 bis 03/2016
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Die vorliegende Studie geht der Frage nach, ob und in welcher Weise mit Informationen, die in den zur Abrechnung mit den Krankenkassen generierten Daten vorliegen, Patienten hinsichtlich der Schwere ihrer Erkrankung unterschieden werden können. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass diese auch als GKV-Routinedaten bezeichnete Datenquelle keine Angaben zu klinischen Parametern (wie z.B. Laborwerte), die zu einer Abschätzung des Schweregrades einer Erkrankung beitragen könnten, enthalten.
Hintergrund / Ziele In Deutschland ist die Thematik der Morbiditäts- und Schweregraderfassung in den letzten Jahren verstärkt aufgegriffen worden, nicht zuletzt durch Bemühungen um mehr Transparenz in der Ergebnisqualität der Versorgung, hier beispielsweise im Zusammenhang von Klinikvergleichen (z. B. QSR, IQM) oder auch im Kontext der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung. Auch bei der Betrachtung regionaler Unterschiede in der Inanspruchnahme von Versorgungsleistungen wie im Versorgungsatlas des ZI oder im Faktencheck Gesundheit ausgewiesen, stellt sich die Frage, ob diese – zumindest teilweise – auch auf Unterschiede in der Erkrankungsschwere zurückgeführt werden können. In der Versorgungsforschung wird diese Thematik – unterschiedliche Erkrankungsschwere und Morbidität – insbesondere im Kontext von Evaluationen, z. B. Disease Management Programmen (DMP) oder neue Versorgungsformen, diskutiert, da eine fehlende Randomisierung und damit verbundene Selbstselektion der Versicherten bezüglich einer Teilnahme am DMP oder an einer neuen Versorgungsform zu nicht kontrollierbaren Unter-schieden in den zu vergleichenden Patientengruppen führt und somit die Ergebnisse verzerrt. Nach jetzigem Erkenntnisstand werden bei auf Routinedaten basierenden Analysen primär Komorbidität/Multimorbidität und weniger die Unterschiede in der Schwere einer einzelnen Erkrankung erfasst. Das Potential der Routinedaten zur Abbildung einer Erkrankungsschwere ist noch unzureichend beleuchtet. Des Weiteren fehlen bislang Untersuchungen zu möglichen Proxies für den Schweregrad. Ziele der Studie: 1) zu untersuchen, in welchem Umfang die in der ICD vorgesehenen Kodierungsmöglichkeiten zu Schweregradangaben genutzt werden. 2. gestützt auf eine Literaturrecherche, Proxy-Variablen zur Beschreibung des Schweregrades einer Erkrankung zu identifiziert und an einem Routinedatensatz zu erproben. Als Erkrankungen werden Demenz, Diabetes, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und Schlaganfall betrachtet.
Methodik In einem ersten Schritt wurde eine Literaturrecherche durchgeführt, um Studien zu identifizieren, die auf einem den GKV-Routinedaten vergleichbaren Datensatz Schweregradbestimmungen zu den o. g. Erkrankungen durchgeführt haben.
In einem zweiten Schritt wurde geprüft, ob sich diese Variablen mit GKV-Daten ebenfalls darstellen lassen und eine Übertragung auf den deutschen Versorgungskontext zulässig erscheint. Hierzu wurde die Versichertenstichprobe AIK Hessen/KV Hessen herangezogen.
Für die Zielerkrankungen wurden in einem dritten Schritt zusätzlich zu den aus der Literatur gewonnenen Proxies noch Möglichkeiten zur Schweregraddifferenzierung durch Heranziehung von Informationen aus anderen Sektoren der Versorgung (gesetzliche Pflegeleistungen) aufgezeigt. Die nach verschiedenen Verfahren identifizierten Patientengruppen wurden einerseits deskriptiv in Bezug auf zentrale Charakteristika (z. B. Alter, Geschlecht, Charlson Comorbidity Index, Hospitalisierung) beschrieben. In einem vierten Schritte wurde untersucht, ob ein höherer Schweregrad (nach verschiedenen Operationalisierungen) mit höheren Kosten oder Mortalität verbunden ist.

Zusätzlich erfolgte eine Untersuchung, in welchem Umfang die in der ICD-10 vorgesehenen Möglichkeiten, Schweregrade zu dokumentieren, auch in der zeitlichen Entwicklung, umgesetzt wurden.
Datenbasis Sekundärdaten
   Krankenkassen - GKV  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Querschnittstudie
Längsschnittstudie
Literaturarbeit
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 0 bis 99 Jahre
Ergebnisse Die Literaturrecherche ergab Hinweise auf Operationalisierungsmöglichkeiten des Schweregrades auf Basis von Routinedaten zu den hier untersuchten Erkrankungen Diabetes, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt und Schlaganfall. Für Demenz konnte keine Routinedatenstudie mit Hinweisen auf diese Thematik identifiziert werden.
Die in der ICD-10 vorgesehene Möglichkeit der Angabe funktioneller und kognitiver Einschränkungen durch die Codes U50 bzw. U51 wird fast ausschließlich im stationären Sektor genutzt. Für eine Schweregraddifferenzierung auf der Basis von Routinedaten vor allem im ambulanten Sektor sind diese Kodierungen nicht geeignet, da sie zu selten genutzt werden.
Für die Zielerkrankungen konnten Schweregrad-Proxies mit Routinedaten identifiziert werden. Von Ausnahmen abgesehen wurde die Auswahl der in der Literatur genannten Adjustierungsvariablen von den Autoren nicht weiter begründet. Lediglich für Diabetes liegt ein Score vor, der sich an einen validierten Score – den Diabetes Complication Severity Index – anlehnt und diesen an die Möglichkeiten von Routinedaten adaptierten Score validiert. Bei den Erkrankungen »Herzinfarkt« und »Schlaganfall« stand in der Literatur die Bewertung des aktuellen Ereignisses im Vordergrund; die herangezogenen Variablen für eine Schweregradeinteilung kamen vorrangig aus dem stationären Sektor.
Die Heranziehung von Informationen aus anderen Sektoren der Versorgung eröffnet weitere Möglichkeiten zur Differenzierung des Schweregrades einer Erkrankung. Zu nennen sind hier Arzneimittel, die nach Schweregrad eingesetzt werden (siehe Herzinsuffizienz), Verordnung von ausgewählten Heil- und Hilfsmitteln (z. B. Physiotherapie, Inkontinenzprodukte) und Leistungen der Pflegeversicherung.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 27.05.2016