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FallDem - Fallbesprechung bei Demenz

 

Projektkennung VfD_FallDem_13_003615
Laufzeit von 03/2013 bis 10/2015
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) 1. Welchen Einfluss haben Assessment-gestützte Fallbesprechungen auf das herausfordernde Verhalten der MmD, die Lebensqualität der MmD und die verordnete Anzahl an psychotropen Medikamenten von MmD im Vergleich zu einer Kontrollgruppe und zu einer Gruppe, die narrative Fallbesprechungen erhielt?
2. Welchen Einfluss haben Assessment-gestützte Fallbesprechungen- im Vergleich zu einer Kontroll-gruppe und zu einer Gruppe, die narrative Fallbesprechungen erhielt- auf das Risiko eines Burn-outs, die demenzspezifische Belastungserleben und die Handlungskompetenz der Mitarbeiter/innen?
3. Konnten die Assessment-gestützten und narrativen Fallbesprechungskonzepte wie geplant eingeführt werden bzw. welche Veränderungen wurden an den Konzepten im Zuge ihrer Einführung vorgenommen?
4. Welche Einstellung haben Pflegende gegenüber dem Assessment-gestützten und narrativen Fallbesprechungskonzept?
5. Welche Lernprozesse finden innerhalb der Assessment-gestützten und narrativen Fallbesprechungen statt?
6. Welche Faktoren wirken sich fördernd und welche hemmend auf die Implementierung Assessment-gestützter und narrativer Fallbesprechungen aus?
Hintergrund / Ziele Es konnte in Studien nachgewiesen werden, dass in Einrichtungen der stationären Altenhilfe 11 bis 65% der Bewohner/innen herausfordernde Verhaltensweisen zeigen. Dazu gehören beispielsweise Aggressivität, Schreien, Apathie oder zielloses Herumirren im Verlauf ihrer Demenzerkrankung. Dieses Verhalten kann sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Umwelt sowie für Pflegende sehr belastend sein. In Altenpflegeheimen wird die Anwendung von Fallbesprechungen für Pflegende in Deutschland seitens der gesetzlichen Prüfinstanzen für den professionellen Umgang von Menschen mit Demenz und herausforderndem Verhalten empfohlen. Allerdings fehlen bisher klare Konzepte für deren Durchführung und Implementierung in den Pflegealltag. Auch ein eindeutiger Effektivitätsnachweis hinsichtlich der Wirksamkeit von Fallbesprechungen fehlt bislang. Daher hat das Projekt Fallbesprechung bei Demenz (FallDem) zum Ziel, praxisnahe Fallbesprechungsmodelle für Menschen mit Demenz und herausforderndem Verhalten zu entwickeln und auf deren Wirksamkeit zu überprüfen.
Methodik Beginnend werden im Projekt zwei Fallbesprechungsmodelle (WELCOME-IdA; WELCOME-Neo) entwickelt (Phase 1), die dann in einer zweiten Phase (FallDem II) auf ihre Wirksamkeit überprüft werden (Effektivitätsstudie). Als Grundlage für die Entwicklung der beiden Fallbesprechungsmodelle diente eine systematische Literaturstudie mit anschließender Expertenbefragung und -diskussion. Die Effektivitätsstudie evaluiert beide Fallbesprechungsmodelle in zwölf Einrichtungen (Cluster) der stationären Altenpflege in Bezug auf die Wirksamkeit für die Bewohner/innen und die betreuenden Pflegenden. Hierzu wird das Stepped-Wedge Design als besondere Form des Crossover Designs verwendet, welches eine methodische Alternative gegenüber herkömmlichen cluster-randomisierten Designs darstellt. Pro Einrichtung nehmen je zwei Wohnbereiche an der Studie teil. Mithilfe einer Vorstudie wurde eine Stichprobengröße mittels Powerkalkulation von insgesamt 360 (300+60 Dropout) Bewohner/innen für die Studie berechnet.
Als primäres Outcome wird herausforderndes Verhalten der Menschen mit Demenz erhoben (Erfassung mit Neuropsychiatric Inventory - Version Altenheim - NPI-NH). Sekundäre Outcomes sind psychotrope Medikamente (Defined Daily Dosis), die Lebensqualität der Menschen mit Demenz (Erfassung mit Qualidem), Kompetenzentwicklung der Pflegenden (Erfassung mit Kompetenz – Reflektions – Inventar: KRI), das allgemeine Belastungserleben der Pflegenden (Erfassung mit dem Copenhagen Burnout Inventory - CBI) und die Belastung der Pflegenden durch die konkrete Versorgung von Menschen mit Demenz (Erfassung mit dem Instrument „Belastung bei Demenz“ (BelaDem).
Die Effektivitätsstudie wird durch eine Prozessevaluation (Forschungsfragen 3-6) begleitet, um Einblicke in die Implementierungsprozesse der Fallbesprechungsmodelle zu gewinnen.
Für die Prozessevaluation wurde eine Mixed-Methods Studie parallel zur Effektivitätsstudie durchgeführt, bei der qualitative und quantitative Daten im Längsschnitt erhoben wurden. Die qualitativen Daten beinhalten telefonische Einzelinterviews, Gruppeninterviews und Audioaufnahmen von Fallbesprechungen. Die quantitativen Daten umfassen Teilnehmerlisten, Fallbesprechungsprotokolle und standardisierte Fragebögen.
Datenbasis Primärdaten
Studiendesign Längsschnittstudie
Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Stepped-wedge-design
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Erste Ergebnisse zur Effektivitätsanalyse des Assessment-gestützten Fallbesprechungskonzepts zeigen keine statistisch signifikanten Veränderungen in der Gesamtprävalenz des herausfordernden Verhaltens im Vergleich vor und nach Einführung der Intervention. Eine anschließende Subgruppenanalyse einzelner Verhaltensweisen ermittelte jedoch einen statistisch signifikanten Rückgang der Apathie um 18 Prozentpunkte im Vergleich Kontrolle und Intervention. Die Ergebnisse zur Effektivitätsanalyse des narrativen Fallbesprechungskonzepts erzielten keine statistisch bedeutsamen Veränderungen im Verhalten der Bewohner/innen.
Die Sekundären Outcomes wie Lebensqualität und Anzahl der psychotropen Medikamente blieben in Folge der Einführung beider Fallbesprechungsmodelle unverändert.
Auf Mitarbeiterebene zeigen die Ergebnisse zur Effektivitätsanalyse des Assessment-gestützten Fallbesprechungskonzepts eine signifikante Reduzierung im Bereich des arbeitsbezogenen Burnouts im Vergleich Kontrolle und Intervention. Diese Tendenz setzt sich im Follow-Up fort. Im narrativen Fallbesprechungskonzept hingegen blieb das Belastungserleben der Mitarbeiter/innen unverändert.
Zudem leistet das Projekt FallDem, neben Erkenntnissen zur Effektivität von Fallbesprechungen, einen wichtigen Beitrag für die Versorgungsforschung. Die Ergebnisse bedeuten einen erweiterten Erkenntnisgewinn über den Einsatz des Stepped-Wedge Designs. Die im Rahmen der Studie entwickelte Simulationsstudie kann somit nach ihrer Publikation als Blaupause für alle zukünftigen Studien zum Stepped-Wedge Design genutzt werden (Simulationsstudie als wichtiger Baustein in der Projektplanung von Studien). Außerdem wird ein Konzept für die quantitative Datenanalyse mit Hilfe von Mixed-Effect-Modellen zur Verfügung stehen.
Ein erweiterter Erkenntnisgewinn ist auch in Bezug auf das Studiendesign und die Durchführung einer Prozessevaluation parallel zu einer Effektivitätsstudie zu erwarten. Insbesondere liefert die FallDem-Studie Erkenntnisse zu Methoden der Datenintegration zwischen den Datensets aus der Prozessevaluation und denen aus der Effektivitätsstudie.
Die Arbeit des Wittener Teams wurde im Editorial des Journals of the American Medical Directors Association (17(1)) anerkannt. Des Weiteren wurde die Relevanz der Intervention ‚demenzspezifische Fallbesprechung’ für den US-amerikanischen Raum betont.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 21.07.2017