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Pilotstudie zur Arzt-Patienten-Kommunikation

Erster Einsatz der deutschen Version des „Individual Clinician Feedback“ Fragebogens

 

Projektkennung VfD_15_003604
Laufzeit von 03/2015 bis 12/2015
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Das Ziel des Pilotprojektes ist es, Einblicke in die Kommunikation und Informationsvermittlung im Behandlungsprozess aus Patientensicht zu gewinnen. Mithilfe des Patientenfragebogens ICF sollen spezifische Aspekte der Arzt-Patienten-Kommunikation in der konkreten Konsultations-/Gesprächssituation untersucht werden. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Erprobung des Einsatzes des deutschen Fragebogens in einer Klinik der Maximalversorgung.
Hintergrund / Ziele Die Patientenzentrierung als ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Patientenversorgung gewinnt immer mehr an Bedeutung. Neben objektiven Qualitätsindikatoren spielt die Beurteilung aus der Sicht der Patienten (z.B. Erfüllung von Bedürfnissen sowie Berücksichtigung von Präferenzen) eine ganz entscheidende Rolle. Der „Individual Clinician Feedback“- Fragebogen (ICF) wurde in Großbritannien entwickelt und erhebt die Zufriedenheit des Patienten mit der Arzt-Patienten-Kommunikation. Der Fragebogen umfasst 38 Items und fragt neben soziodemografischen Faktoren Informationen zur Zufriedenheit mit der Untersuchungsatmosphäre, Verständlichkeit des Arztes, Einbindung in Entscheidungen und Ablauf des Gesprächs ab. Hierbei bewertet der Patient konkret seinen behandelnden Arzt. In Großbritannien wurde der ICF im Rahmen einer Studie erfolgreich erprobt und validiert. Der ICF wurde dort routinemäßig implementiert, um den behandelnden Ärzten das Feedback der Patienten zurückzuspiegeln und hat bereits zu Verbesserungen in der Arzt-Patienten-Kommunikation und in der Patientenzufriedenheit geführt. Zwar wird in Deutschland im Rahmen von Patientenbefragungen die allgemeine Zufriedenheit mit der Versorgung im Krankenhaus erhoben, aber bisher gibt es noch keinen ähnlichen systematischen und wissenschaftlich fundierten Ansatz, um gezielt und spezifisch die Kommunikationsfähigkeit des individuellen Arztes aus Patientensicht zu beurteilen.
Methodik Es wurde die englische Version des ICF in einem standardisierten Verfahren mit Übersetzung und Rückübersetzung ins Deutsche übersetzt. Weiterhin wurde die Übersetzung an den deutschen Kontext angepasst. Der Pretest wurde mit Hilfe von kognitiven Interviews durchgeführt.
Die Erhebung wird in Form einer Querschnittsuntersuchung durchgeführt. Die Untersuchung hat einen explorativen Befragungscharakter und testet zunächst in Form einer Pilotstudie den Einsatz des Fragebogens an einer kleinen Gruppe von freiwillig teilnehmenden Ärzten und deren Patienten. Damit werden nicht alle Ärzte des Klinikums befragt, sondern zunächst eine freiwillige Kohorte chirurgisch tätiger Ärzte.
Die Patienten werden in den Sprechstunden der teilnehmenden Ärzte direkt nach der Untersuchung rekrutiert. Die Anonymität wird in jedem Schritt der Untersuchung für den Patienten gewahrt.
Die Auswertung dient der Gesamtdarstellung der Patientenzufriedenheit bezüglich der Arzt-Patienten-Kommunikation unter besonderer Berücksichtigung der Einflussvariablen Abteilung und Geschlecht des Arztes, sowie Alter und Geschlecht des Patienten. Dem Arzt werden seine Bewertungsergebnisse (Feedback) in komprimierter Form als Score zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird ein Benchmark der Abteilung errechnet, an dem sich der Arzt mit seinem individuellen Score verorten kann. Zur statistischen Datenerfassung und -auswertung wird SPSS Statistics 21.0 verwendet.
Datenbasis Primärdaten
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Es wurden 12 Ärzte aus fünf Fachabteilungen rekrutiert. Es konnte eine hohe Rücklaufquote von 45,34% (n=214) erzielt werden. Die Kommunikation bewerten die Patienten als sehr gut (im Mittel über alle Items und Ärzte 8,4 bis 9,4 Punkte). 89% der Patienten hatten das Gefühl, dass sich der Arzt genügend Zeit für sie genommen hat, dabei waren 50% der Patienten 11-20 min beim Arzt. Die Patienten gaben zu großen Teilen an, in den Behandlungsprozess einbezogen worden zu sein. Es haben 71% der Ärzte verschiedene Behandlungsmöglichkeiten mit ihren Patienten besprochen. Für 13% der Patienten bestanden nach der Behandlung noch offene Fragen, die sie nicht gestellt haben. Zu 44% bzw. 52% gaben die Patienten an, dass der Arzt nicht angeboten hat, Fragen zu stellen oder dass sie es einfach am Ende der Behandlung vergessen haben.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 02.09.2016