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DemKH - Demenzspezifische Konzepte zur Versorgung und Begleitung von Menschen mit Demenz im Krankenhaus – empirische Analyse der derzeitigen Versorgungssituation und Empfehlungen zur Weiterentwicklung

 

Projektkennung VfD_DemKH_10_003528
Laufzeit von 06/2010 bis 12/2013
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Wie gehen Krankenhäuser derzeit mit der Herausforderung um, Menschen mit Demenz zu behandeln?
Welche konkreten Maßnahmen werden zur Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Demenz eingeführt?
Welche grundlegenden Charakteristika kennzeichnen Modell Konzepte?
Welche Handlungsempfehlungen resultieren aus den bisherigen Erkenntnissen für die Einführung von demenzspezifischen Versorgungskonzepten in Krankenhäusern?
Hintergrund / Ziele Schätzungen gehen davon aus, dass derzeit mehr als 10 % der im Krankenhaus behandelten Patienten an einer Demenz leiden. Die Versorgungsabläufe im Krankenhaus sind hauptsächlich auf die Behandlung von Menschen mit akuten somatischen Erkrankungen ausgerichtet. Für Menschen mit Demenz (MmD) kann der Krankenhausaufenthalt zu Desorientierung und motorischer Unruhe, zu mangelnder Adhärenz, zu Abwehrverhalten, zu Selbstgefährdung und Aggressivität führen. Zudem wurden für Menschen mit Demenz im Krankenhaus weitere Risiken identifiziert, z.B. nosokomiale Infektionen, Entwicklung eines Delirs, Verlängerung der Krankenhausverweildauer, höhere Rehospitalisierungsraten und erhöhte Mortalitätsraten. Um diesen Risiken zu begegnen, entwickeln derzeit Krankenhäuser in Deutschland Versorgungskonzepte speziell für Menschen mit kognitiven Einschränkungen.
Ziele dieses Projektes sind:
1.Analyse unterschiedlicher Praxisprojekte im Hinblick auf grundlegende Prinzipien und Unterschiede auf der Grundlage von empirischen Daten
2.Identifizierung von Schwierigkeiten und Entwicklungs- und Forschungsbedarf
3.Ableitung von Vorschlägen für die Entwicklung von Versorgungskonzepten zur Verbesserung der Pflege und Behandlung von Menschen mit Demenz im Akutkrankenhaus
Methodik Design:
Qualitative Querschnittstudie

Stichprobe/Setting:
Es wurden für die Datenerhebung Mitarbeitende aus Kliniken ausgewählt, die bereits ein demenz-spezifisches Konzept entwickelt und seit längerem erprobt hatten. Ausgeschlossen wurden Kliniken, die durch eine wissenschaftliche Begleitforschung oder sonstige Publikationen bezüglich ihres Konzeptes als bekannt gelten konnten. Die Gelegenheitsstichprobe bestand aus 15 Experten (Projektleiter oder –koordinatoren; Mediziner und Pflegende in leitenden Positionen) und 23 Pflegenden aus insgesamt sieben Kliniken in Deutschland.

Erfassungsart/Datenerhebung:
Die Experten wurden mittels Experteninterviews interviewt, die Pflegenden haben an insgesamt fünf Gruppendiskussionen teilgenommen. In den Kliniken sind zusätzlich Strukturdaten (Fragen zu: Trägerschaft, Einzugsgebiet, Versorgungsstufe, Bettenzahl, Fachabteilungen, Kooperationen des KHs) mittels Fragebogen erhoben worden.

Datenanalyse:
Die Analyse der Interviews und Gruppendiskussionen erfolgte durch eine inhaltlich strukturierende, qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Dabei wurden aus dem Textmaterial thematische Kategorien gebildet.
Datenbasis Primärdaten
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse In der Studie wurden zunächst Problemfelder identifiziert, die aus der Sicht der Professionellen die Versorgung von MmD im Krankenhaus erschweren. Dazu zählen einerseits die demenzspezifischen Einschränkungen und Verhaltensweisen der Patienten, wie zum Bespiel Desorientierung, hoher Bewegungsdrang und herausforderndes Verhalten, als auch andererseits Unsicherheit, Zeitmangel und fehlendes demenzspezifisches Wissen auf Seiten der Professionellen. Aber auch settingspezifische Besonderheiten, wie begrenzte Ressourcen, schlechte Informationsweitergabe an Schnittstellen oder verwirrende bauliche Gegebenheiten führen häufig zu eskalierenden Situationen, die sowohl die Professionellen als auch die betroffenen Patienten belasten.
Die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von demenzspezifischen Versorgungskonzepten weisen zum Teil ungünstige Merkmale wie eine monoprofessionelle (pflegerische) Ausrichtung, fehlende Personal- und Sachressourcen sowie Kompetenz- und Akzeptanzprobleme auf. Die Konzeptentwicklung orientierte sich nicht immer vorrangig an fachlich gebotenen Zielsetzungen, sondern an den beschränkenden Möglichkeiten. Dennoch sind eine Reihe von Verbesserungsansätzen entwickelt und erprobt worden. Diese umfassen sowohl strukturelle Veränderungen (z.B. die Einrichtung von Schwerpunktstationen), als auch Maßnahmen der Qualifizierung von Mitarbeitern, der Verbesserung der Ernährungssituation der Patienten, der Anpassung des baulichen und sozialen Milieus, der Förderung von Ressourcen der Patienten sowie der Einbeziehung von Angehörigen. Auch der Einsatz technischer Hilfsmittel (z.B. GPS) und die Vernetzung mit anderen Versorgungssettings (z.B. stationäre Langzeitversorgung) bildeten Elemente der demenzspezifischen Konzepte.
Für die Entwicklung und Implementierung der Versorgungskonzepte sind unterschiedliche Strategien angewandt worden. Da in den Kliniken in Bezug auf demenzspezifische Ansätze kaum Wissen und Erfahrung vorhanden waren und sich Konzepte, die in anderen Versorgungssettings entwickelt und eingesetzt werden (z.B. Biografiearbeit), nicht problemlos in die Akutversorgung integrieren oder übertragen ließen, erfolgten Entwicklung und Umsetzung häufig durch einen ständigen Prozess des Ausprobierens und Anpassens. Nur gelegentlich basierte die Konzeptentwicklung auf einer vorangegangenen Problemanalyse. Häufig wurde der Entwicklungs- und Implementierungsprozess durch externe Beratung und Coaching begleitet. Vielfältige Faktoren haben die Umsetzung von Veränderungen erschwert. Dazu zählen eine nur geringe Veränderungsbereitschaft in Bezug auf Versorgungsabläufe und Aufgaben, geringe Priorität des Konzeptes innerhalb der Berufsgruppen, Mangel an Gestaltungsspielraum und Wertschätzung für die beteiligten Mitarbeiter und eine geringe Sichtbarkeit von Effekten. Dennoch sind aus der Sicht der Beteiligten positive Veränderungen sowohl für die betroffenen Patienten, als auch für die Professionellen und die Institution bewirkt worden. Unter anderem werden diese in einem gesteigerten Wohlbefinden und einer schnelleren Genesung der Patienten, einer gesteigerten Arbeitszufriedenheit der Pflegenden und einer positiven Außendarstellung der Klinik gesehen.
Aus den Ergebnissen der Studie sind für die Praxis u.a. folgende Empfehlungen abgeleitet worden: Entwickeln von Versorgungsstrategien für alle Krankenhäuser mit definierten Mindeststandards; Qualifizierung und Beteiligung sämtlicher Berufsgruppen, die in die Behandlung und Pflege von MmD involviert sind; Bereitstellung und Finanzierung notwendiger Ressourcen. Für zukünftige Forschungen auf diesem Gebiet wird die Überprüfung der Wirksamkeit von demenzspezifischen Versorgungskonzepten angeregt.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 25.11.2015