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QS-Psy-Bay - Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie in Bayern

 

Projektkennung VfD_QS-Psy-Bay_10_003491
Laufzeit von 02/2010 bis 12/2013
Webseitehttp://www.mpsy.uniklinikum-jena.de/Forschung/QS+Psychotherapie.html
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Welche Möglichkeiten bietet ein elektronisches Erhebungssystem für die Qualitätsicherung in der ambulante Psychotherapie?
Wer wird mit ambulanter Psychotherapie behandelt (Deskription der Patientenstichprobe)? Welche Verbesserung der psychischen Gesundheit ist bei einer ambulanten Psychotherapie zu erwarten (Prä-Post-Vergleich)?
Gibt es typische Therapieverläufe? Lassen sich die Verläufe schon zu Therapiebeginn vorhersagen?
Welcher Systematik folgen Therapieverlängerungen? Welchen Effekt hat eine Therapieverlängerung auf die psychische Gesundheit?
Wie oft werden Psychotherapien aus qualitätsrelevanten Gründen abgebrochen? Anhand welcher Patienten-, Therapeuten-, Behandlungs- und
Prozessmerkmale lassen sich problematische Abbrüche vorhersagen? Sind Therapien mit problematischem Abbruch Misserfolge (a) im Sinne des Ausbleibens einer Symptomreduktion (Prä-Post-Vergleich) und/oder (b) im Sinne eines schlechteren Therapieergebnisses (2-Gruppen-Post-Vergleich mit Therapien mit regulärem oder unproblematischem Ende)?
Wie hoch sind die Versorgungskosten vor und nach einer antragspflichtigen ambulanten Psychotherapie? Gibt eine systematische Reduktionen der stationären Kosten, ambulanten Kosten, Arzneikosten, Arbeitsunfähigkeitstage, Krankenhaustage? Wie groß sind sie?
Was sind Prädiktoren für die Veränderung von Gesundheitsversorgungskosten ein Jahr vor versus ein Jahr nach ambulanter Psychotherapie?
Hintergrund / Ziele Das Projekt „Qualitätssicherung in der ambulanten Psychotherapie in Bayern (QS-Psy-Bay)“ verfolgte zwei Ziele (Steffanowski et al. 2011, Strauß et al. 2013): Zum einen sollte es die Versorgungssituation im Kontext ambulanter Psychotherapien transparent machen, die durch Einzel- und Gemeinschaftspraxen angeboten werden. Zum zweiten wurde im QS-Psy-Bay-Projekt das Qualitätsmanagement von Einzel- und Gemeinschaftspraxen durch ein elektronisches fachrichtungsübergreifendes Dokumentations- und Rückmeldesystem ergänzt.
Methodik Es liegen von ca. 80 000 gesetzlich Versicherten mit psychischen Diagnosen Krankenkassen-Versorgungsdaten (ambulante und stationäre Versorgung) im Verlauf vor, die zwischen dem 1. Quartal 2006 und dem 3. Quartal 2010 gesammelt wurden (für Details siehe Strauß et al. 2013). Zusätzlich liegen Therapieverlaufsdaten (Patienten- und Therapeuteneinschätzungen) von ca. 1 700 Psychotherapiepatienten vor, die mit einem elektronischen Datenerhebungssystem (für Details siehe Steffanowski et al. 2011) erhoben wurden.
Datenbasis Primärdaten
   Fragebögen  (Stichprobengröße: 1.696)
Sekundärdaten
   Krankenkassen - GKV  (Stichprobengröße: 80.726)
Studiendesign Längsschnittstudie
Quasi-experimentelle Untersuchung
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Die bisherigen Datenanalysen legen nahe, dass die in Einzel- und Gemeinschaftspraxen praktizierte ambulante Psychotherapie im Sinne einer nachhaltigen Symptomreduktion und Verbesserung der Lebensqualität effektiv ist (Steffanowski et al. 2011; Strauß et al. 2015) und dass Therapieverlängerungen in Abhängigkeit der Schwere der Störung und dem Vorhandensein günstiger Therapiebedingungen erfolgen (Altmann et al., 2014). Die Therapien wurden i.d.R. nicht verlängert, wenn der Therapeut die Therapie als erfolgreich bewertete (ebd.). Ambulante Psychotherapien scheinen somit ein adaptiver Prozess zu sein, der auf die Gesundung des Patienten unter Kleinhaltung der therapeutischen Dosis abzielt.

Eine Untersuchung problematischer Therapieabbrüche, zeigte dass auch Abbrecher im Durchschnitt von der Therapie profitieren (Altmann et al., 2014). Ein wichtiges Warnsignal – und damit auch ein Ansatzpunkt für die Vermeidung von Abbrüchen – ist die schlechte Bewertung der Erfolgsaussichten der Behandlung durch den Patienten oder durch den Therapeuten (ebd.).

In einer Teilstudie zu Behandlungsverläufen bei Depressionen konnten fünf Verlaufsmuster identifiziert werden (Altmann et al. 2015): Responder mit mittlerer depressiver Eingangsbelastung (54 % der Patienten), Responder mit starker Eingangsbelastung (25 %), Late-Responder (9 %), Small-Response-Patienten (9 %) und Rückfällige (4 %). Patienten verschiedener Verlaufsmuster unterschieden sich nicht hinsichtlich sozio-demographischer Merkmale und dem Vorhandensein komorbider Störung, wohl aber hinsichtlich der iniitialen Depressivität und der Bewertung der therapeutischen Beziehung.

Bei der Evaluation des Dokumentationssystems gaben 70% der Patienten ein positives Gesamturteil ab (für Details siehe Steffanowski et al. 2011).

Weitere Publikationen (z.B. zur Reduktion von Versorgungskosten durch ambulante Psychotherapien) befinden sich im Review.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 30.07.2015