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Screening auf Gestationsdiabetes mellitus in der gynäkologischen Praxis: Eine qualitative Untersuchung zur Umsetzung der neuen Mutterschaftsrichtlinie

 

Projektkennung VfD_13_003397
Laufzeit von 09/2013 bis 12/2014
Status des Projekts abgeschlossen

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Welche Einstellung haben niedergelassene Gynäkologen zum kürzlich eingeführten Screening auf Gestationsdiabetes? Wie bewerten sie die Änderung in den Mutterschaftsrichtlinien? Wie erfolgt die Umsetzung dieser Änderung in der täglichen Praxis? Treten dabei Schwierigkeiten auf?
Welche Erfahrung haben Schwangere mit dem Screening auf Gestationsdiabetes gemacht? Wie lief das Screening bei ihnen persönlich ab? Ergaben sich Schwierigkeiten? Was denken Schwangere über das Screening und welche Bedeutung hat es für sie?
Hintergrund / Ziele Gestationsdiabetes mellitus ist eine der häufigsten Komplikationen in der Schwangerschaft und geht mit erhöhten Risiken sowohl für Schwangere als auch für Feten einher. Es handelt sich um eine Glukosetoleranzstörung, die erstmals in der Zeit der Schwangerschaft auftritt. Im März 2012 gab es eine Änderung in den Mutterschaftsrichtlinien. Seitdem soll jeder Schwangeren ein Glucose Challenge Test (GCT; Suchtest mit 50g Glukose) angeboten werden. Ergeben sich hierbei auffällige Werte, soll ein oraler Glukosetoleranztest (oGTT) mit 75g Glukose durchgeführt werden.
Die vorliegende Studie ermöglichte niedergelassenen Frauenärzten und Schwangeren erstmals, in qualitativen Interviews hierzu Stellung zu beziehen. Ziel der Studie ist es u.a., potenzielle Schwierigkeiten bei der Durchführung des Tests zu erfassen und mögliche Verbesserungsvorschläge zusammenzutragen.
Methodik Mithilfe qualitativer Leitfadeninterviews wurden 17 niedergelassene Gynäkologen in den Städten Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen persönlich befragt. Zudem wurden 20 Schwangere (ab der 28. SSW) via Telefon qualitativ befragt. Alle Interviews wurden aufgezeichnet, transkribiert und von zwei unabhängigen Wissenschaftlerinnen kodiert. Ausgewertet werden sie mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring.
Ein positives Ethikvotum der Medizinischen Ethik-Kommission II der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg liegt vor (2013-609N-MA).
Datenbasis Primärdaten
   Qualitatives Interview (face-to-face) mit Gynäkologen  (Stichprobengröße: 17)
   Qualitatives Interview (telefonisch) mit Schwangeren  (Stichprobengröße: 20)
Studiendesign Querschnittstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen nicht untersucht
Ergebnisse Die qualitativen Interviews mit niedergelassenen Gynäkologen zeigten, dass fast alle Gynäkologen die Änderung der Mutterschaftsrichtlinien explizit begrüßten. Trotz positiver Bewertung geht allerdings die vorgenommene Änderung rund der Hälfte der Gynäkologen nicht weit genug. Hauptkritikpunkt war die Art des Screening-Tests. Hier hätte eine Vielzahl der Gynäkologen einen oralen Glukosetoleranztest (oGTT mit 75g Glukose; nüchtern, drei Messzeitpunkte) dem festgeschriebenen Glucose Challenge Test (GCT mit 50g Glukose; nicht nüchtern, ein Messzeitpunkt) vorgezogen Weiterhin zeigten sich Unregelmäßigkeiten bei der Durchführung des Screenings sowie Schwierigkeiten bei der Durchführung.
Von den befragten Schwangeren sprach sich die Mehrheit positiv für das Screening aus. Die Mehrheit würde den Test anderen Schwangeren empfehlen. Kritisiert wurde unter anderem eine unnötige emotionale Belastung bei positivem GCT-Ergebnis während des Wartens auf das Ergebnis des oGTT. Auch in den individuellen Erfahrungen mit der Durchführung des Screenings offenbarten sich Unregelmäßigkeiten hinsichtlich der Umsetzung durch die Gynäkologen.
Insgesamt zeigten sich also potenzielle Schwierigkeiten sowohl bei der Umsetzung der Mutterschaftsrichtlinien als auch in der kritischen Bewertung des GCT im Vergleich zum oGTT, der nicht standardmäßig von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt wird.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 20.04.2015