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Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster

Zur Verbesserung des multiprofessionellen Schmerzmanagements

 

Projektkennung VfD_10_003376
Laufzeit von 03/2010 bis 06/2014
Webseitehttp://www.schmerzfreie-stadt.de
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Inwiefern werden aktuelle medizinische Leitlinien sowie der Nationale Experten Standard zum Schmerzmanagement in der Pflege umgesetzt?
Hintergrund / Ziele Das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster ist ein auf mehrere Jahre angelegtes Versorgungsforschungsprojekt der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, welches das Schmerzmanagement in unterschiedlichen Versorgungseinrichtungen in der Stadt Münster erforscht. Ziel des Aktionsbündnisses ist es, über Institutionsgrenzen hinaus eine umfassende und vernetzte Schmerzbetreuung für Betroffenen zu erleichtern und die schmerztherapeutische Versorgungssituation und Vernetzung der unterschiedlichen Akteure zu optimieren. Dabei sollen Wissensdefizite behoben, interne Abläufe verbessert, schmerztherapeutische Leitlinien und Standards umgesetzt und Versorgungslücken geschlossen werden. In die Studie eingeschlossen sind 6 Krankenhäuser, 14 ambulante Pflegedienste, 14 Altenpflegeeinrichtungen, 2 Hospize u. 2 Schmerzpraxen.
Methodik Als methodische Grundlage wurde je nach Versorgungssetting ein quantitatives und/oder ein qualitatives Untersuchungsdesign gewählt. Die Untersuchung in den Krankenhäusern, stationären Altenhilfeeinrichtungen und ambulanten Pflegediensten begann mit der Erhebung des Ist-Zustands des Schmerzmanagements. Als Instrumente dienten Fragebögen für das medizinische und pflegerische Personal sowie für Patienten und Angehörige. Die Ergebnisse aus der Erst-Befragung (Prä-Test) bildeten die Grundlage für die Planung und Umsetzung bedarfsorientierter Maßnahmen zur Verbesserung des Schmerzmanagements in den jeweiligen Einrichtungen. Diese beinhalteten neben individuellen Schulungen zur medikamentösen und nicht-medikamentösen Schmerztherapie vor allem die zielgerichtete Anpassung bestehender Strukturen und Prozesse.
Eine qualitative Herangehensweise wurde bei der Untersuchung des Schmerzmanagements in den Hospizen, bei der Reevaluation der ambulanten Pflegedienste und in den Schmerzpraxen angewandt. Während der Fokus in den Hospizen und ambulanten Pflegediensten auf dem Tumorschmerz lag, konzentrierte sich die Befragung im Forschungsstrang „Schmerzpraxen“ auf chronische Lendenwirbelsäulenschmerzen. Hierzu wurden sowohl Mitarbeiter der Schmerzpraxen als auch betroffene Patienten interviewt. Ziel der Erhebung war es zu analysieren, welche Auswirkungen die präventiven und therapeutischen Maßnahmen der Schmerzpraxis auf das Schmerzerleben der Betroffenen haben und wie sich die Bewältigung des Alltags durch die Behandlung verändert.
Im Rahmen einer gesundheitsökonomischen Evaluation, welche vom Institut für Versorgungsforschung in der Dermatologie und bei Pflegeberufen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf durchgeführt wird, sollen die direkten und indirekten Kosten einer Schmerztherapie quantifiziert werden. Es soll geprüft werden a) inwieweit die vom Projekt geplanten Interventionen zu Veränderungen im Verbrauch von Ressourcen führen, b) welcher Nutzen und welche Kosten sich aus den Interventionen ergeben und c) in welchem Verhältnis Kosten und Nutzen zueinander stehen. Für die Modellierung werden Primärdaten aus dem Projekt sowie schmerzbezogene GKV Daten genutzt.
Datenbasis Primärdaten
   Befragung postalisch  (Stichprobengröße: k.A.)
   Befragung online  (Stichprobengröße: k.A.)
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: k.A.)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: k.A.)
Sekundärdaten
   Krankenkassen - GKV  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Quasi-experimentelle Untersuchung
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Im Rahmen des Projekts konnten in den 13 eingeschlossenen Altenpflegeeinrichtungen Münsters im Prä-Test 436 BewohnerInnen untersucht sowie 151 Pflegende zum Schmerzerleben bzw. zum Schmerzmanagement befragt werden. Entsprechend der kognitiven Leistungsfähigkeit, welche vorab mittels des Instruments Mini Mental Status Test erhoben wurde, konnte den unterschiedlichen Bedürfnissen und Besonderheiten der untersuchten BewohnerInnen durch den Einsatz kollektivspezifischer Untersuchungsinstrumente gerecht werden.
Die Ergebnisse der Untersuchungen und Befragungen zeigen jedoch vielfältige Lücken in der Umsetzung eines systematischen Schmerzmanagements, in dem z. B. Schmerzen nicht planmäßig und regelmäßig erhoben werden. Zudem wird dem Schmerzerleben von Menschen mit kognitiven Einschränkungen oftmals nicht adäquat begegnet.
Auf Grundlage der Ergebnisse wurden für die einzelnen Einrichtungen der Altenpflege individuelle Interventionen geplant und durchgeführt. Dadurch erhielt jede Einrichtung eine auf ihre Optimierungsnotwendigkeiten zugeschnittene Unterstützung. Die dadurch erzielte Veränderung in den Einrichtungen wird nun in einem Post-Test durch Einsatz derselben Instrumente wie im Prä-Test gemessen.

In den inkludierten Krankenhäusern konnte im Prä-Test gezeigt werden, dass Optimierungen notwendig waren. Das multiprofessionelle Schmerzmanagement war aufgrund fehlender oder nur unzureichender schriftlicher Regelungen zum Schmerzmanagement wie auch Zuständigkeitsregelungen unzureichend organisiert. Für alle verbindliche Therapiekonzepte waren meist nicht vorhanden. Die Kommunikation zwischen den Berufsgruppen wurde von den MitarbeiterInnen als nicht ausreichend bewertet und PatientInnen wurden nicht in ausreichendem Maß zur aktiven Beteiligung am Schmerzmanagement angeleitet. Diese Optimierungsnotwendigkeiten waren Grundlage für Schulungsmaßnahmen in den Kliniken und nachfolgende spezifische Optimierungsmaßnahmen wie Einführungen von schriftlichen Regelungen zum Schmerzmanagement, Fortbildung der Mitarbeiter und Erstellung von Therapiekonzepten. Im Posttest konnte gezeigt werden, dass in allen Kliniken Verbesserungen möglich waren, so dass ein berufsgruppenübergreifendes qualifiziertes Schmerzmanagement möglich wurde. Dies zeigte sich sowohl in einem besseren Wissen der Mitarbeiter zu Regelungen des Schmerzmanagements als auch einer besseren Beurteilung der Qualität der Schmerztherapie.

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 27.02.2015