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Modellvorhaben Physiotherapie nach § 63 SGB V

BIG direkt gesund und Bundesverband selbständiger Physiotherapeuten (IFK) e.V.

 

Projektkennung VfD_11_003362
Laufzeit von 01/2011 bis 12/2017
Webseitehttps://www.big-direkt.de/leistungen/behandlung/physiotherapie_modellvorhaben.html
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Welche Auswirkungen hat die autonome Auswahl physikalischer Leistungen und die autonome Bestimmung von Dauer und Frequenz der Behandlungseinheiten sowohl auf Qualität und Kosten der Versorgung als auch auf die Zufriedenheit des Patienten?
Welche Unterschiede bestehen zwischen autonom simulierter und herkömmlicher Behandlung mit Heilmitteln in Bezug auf Qualität, Kosten und Zufriedenheit?
Hintergrund / Ziele Die BIG direkt gesund hat ein Modellvorhaben Physiotherapie nach § 63 Abs. 3 b SGB V aufgesetzt, das seit 1. Juni 2011 den Versicherten der BIG direkt gesund in 40 Modellpraxen in den Regionen Westfalen-Lippe und Berlin zur Teilnahme zur Verfügung steht.

Strukturen zur Entlastung des ärztlichen Sektors durch mehr Eigenständigkeit nicht-ärztlicher Berufsgruppen zu schaffen, gehörte zu den Empfehlungen der Sachverständigen zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen im Jahr 2007. Im Pflegeweiterentwicklungsgesetz wurde der Paragraph 63 SGB V um den Abs. 3b für Modellvorhaben in der Kranken- und Altenpflege und der Physiotherapie erweitert. Während in der Alten- und Krankenpflege noch weitreichende Klärungen zur Substitution und Delegation ärztlicher Arbeitsinhalte durch den GBA ausstehen, scheinen die Bedingungen zur Überprüfung der Autonomiebestrebungen von Physiotherapeuten auszureichen. Durch den Heilmittelkatalog sind bereits Leistungen und Behandlungskorridore definiert, so dass unter diesen Rahmenbedingungen die Auswirkungen auf Qualität und Kosten im Vergleich zwischen herkömmlicher Versorgung und Versorgung bei Autonomieerweiterung in der Physiotherapie untersucht werden können.

Krankenkassen können gemäß § 63 Abs. 3b SGB V Modellvorhaben vereinbaren, die vorsehen, dass Physiotherapeuten mit einer Erlaubnis nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 des Masseur- und Physiotherapeutengesetzes die Auswahl und die Dauer der physikalischen Therapie und Frequenz der Behandlungseinheiten bestimmen. Dabei richtet sich die Auswahl der Leistungen zur physikalischen Therapie nach der Indikation und den im Heilmittelkatalog hinterlegten Empfehlungen wie z.B. „vorrangig“, „optional“, „ergänzend“. Die „Dauer“ ist als Länge einer Behandlungsserie und die „Frequenz“ als Häufigkeit der physiotherapeutischen Leistung in einer Woche definiert. Zentrale Fragestellung des Modellvorhabens Physiotherapie ist es, zu untersuchen, welche Auswirkungen die autonome Auswahl physikalischer Leistungen und die autonome Bestimmung von Dauer und Frequenz der Behandlungseinheiten sowohl auf Qualität und Kosten der Versorgung als auch auf die Zufriedenheit des Patienten haben. Die Ergebnisse des Modellvorhabens sollen national die Diskussion über die Bedingungen des Direktzuganges zum Physiotherapeuten einleiten. International wird ein Vergleich mit den Ergebnissen z. B. aus Australien, Skandinavien, Großbritannien und den Niederlanden angestrebt. In diesen Ländern wurde der Direktzugang zum Physiotherapeuten nach erfolgreicher Erprobung in Modellvorhaben eingeführt. Mit dem direkten Zugang zum Physiotherapeuten konnten bspw. Einsparungen bei der Pharmakotherapie und Verkürzungen der Zeiten der Arbeitsunfähigkeit erzielt werden. Die Zufriedenheit in den Modellgruppen war hoch und die Patienten standen dem Modell Direktzugang positiv gegenüber. Zudem haben sich Direktzugang und Akademisierungsbestrebungen in diesen Ländern gegenseitig positiv verstärkt.

Das Studiendesign wurde gemäß den Empfehlungen des Consort Statement für randomisierte Studien geplant und als randomized controlled trial (RCT) im Multicenter in 40 Modellpraxen umgesetzt.

Die wissenschaftliche Auswertung und Publikation der Ergebnisse gemäß § 65 SGB V erfolgt über die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Astrid Schämann.

Das Modellvorhaben der BIG ist seit dem 1. Juni 2011 für die Versicherten aktiv und wird ausführlich auf den Webseiten von BIG direkt gesund erklärt.

Teilnehmen können BIG Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und die eine aktuelle vertragsärztliche Verordnung über Maßnahmen der physikalischen Therapie (Muster 13) für eine der Indikationsgruppen WS1 oder 2 bei Wirbelsäulenerkrankungen oder EX1, 2 oder 3 bei Verletzungen/Operationen und Erkrankungen der Extremitäten und des Beckens erhalten haben.

Zudem müssen sich BIG Versicherte schriftlich für die Teilnahme am Modellvorhaben einverstanden erklären. Regelungen der gesetzlichen Zuzahlungen bestehen auch für Teilnehmer am Modellvorhaben. Die Randomisierung in Modell- und Kontrollgruppe erfolgt online über die ZHAW. Befundung und Behandlung werden in den Modellpraxen voneinander getrennt.

Befundung und Behandlung werden mittels Studien-und Bezugstherapeuten getrennt. In der Modellgruppe kann von der vertragsärztlichen Verordnung im Rahmen des Heilmittelkataloges in Bezug auf Art, Dauer und Frequenz der Leistung abgewichen werden. In der Kontrollgruppe werden die Versicherten regulär nach den Vorgaben der vertragsärztlichen Verordnung behandelt.

Durch die Anwendung standardisierter Instrumente sollen insbesondere Aussagen im Prä-Post-Design und zwischen den Gruppen über körperliche Funktionsfähigkeiten, Zufriedenheit, Kosten und Qualität getroffen werden.

Für die Abrechnung der erbrachten Leistungen in der Modell- und Kontrollgruppe gelten die jeweils vertraglichen Regelungen zur Abrechnung von Heilmitteln.
Methodik RCT im Multicenter
Outcomes Behandlungsbeginn (t0)und Behandlungsende (t1)
zwischen Modell- und Kontrollgruppe (Behandlungsart, Dauer, Frequenzen, Kosten, Zufriedenheit, Lebensqualität, Schmerz, Aktivitäten, Bewegungsumfang,AU-Zeiten, direkte Arztkosten für Interventionen sowie
Arzneimittelkosten im prospektiven Verlauf)
Datenbasis Primärdaten
   Erhebung vor Ort Behandlungsbeginn (t0) und Behandlungsende (t1)  (Stichprobengröße: 600)
Sekundärdaten
   TP1 und TP3 Selektion  (Stichprobengröße: k.A.)
Studiendesign Randomisierte kontrollierte Studie (RCT)
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 18 bis 99 Jahre
Ergebnisse Zwischenergebnis für (N = 59) mit folgenden Trends:
Teilnehmer in der Modellgruppe (N = 32) profitieren signifikant stärker von einem gezielten Behandlungsregime der Physiotherapeuten.
Sie weisen signifikant bessere funktionelle Kompetenzen, weniger Schmerzen und eine höhere Lebensqualität im Vergleich zur Kontrollgruppe (N= 27) auf.
Eine prospektive Kosten- Nutzenanalyse (N = 175) zeigt eine Senkung der direkten Arztkosten im prospektiven Betrachtungszeitraum von 12 Monaten nach t1 (Behandlungsende).

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 03.03.2016