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Ohrakupunktur nach dem NADA-Protokoll in der Gerontopsychiatrie - Eine Machbarkeitsstudie

 

Projektkennung VfD_13_003271
Laufzeit von 10/2013 bis 09/2014
Status des Projekts laufend

 

Projektbeschreibung

Fragestellung(en) Lässt sich die Ohrakupunktur als zusätzliches Therapieelement in die Versorgung depressiver gerontopsychiatrischer Patienten implementieren?
Wird das Angebot von den Patienten angenommen? Warum und mit welcher Quote
wird das Angebot abgelehnt?
Lassen sich auch ältere depressive Patienten aus dem passiven Zuschauen in die aktive Teilnahme an der Akupunktur motivieren? Was hindert sie, was fördert dieses Verhalten?
Welche Bereitschaft besteht, diese Behandlungsmethode in das therapeutische Team zu integrieren? Wie kann diese Integration erfolgen?

Ist das Setting einer 45-minütigen dreimal wöchentlichen Anwendung für drei Wochen realistisch? Wünschen sich die Patienten eine längere oder häufigere Behandlung?
Welche Gründe gibt es für einen vorzeitigen Therapieabbruch? Wie hoch ist die Quote der Patienten, die die Untersuchung vor dem formalen Ende abbrechen?
Gibt es frühere Akupunkturbehandlungen und sind diese prädiktiv für die Nutzung des Ohrakupunkturangebots? Wird die Ohrakupunktur von den Patienten und dem therapeutischen Team im Einzelfall als positiv, nützlich oder gar schädlich bewertet?
Hintergrund / Ziele Aufgrund von zunehmenden gerontopsychiatrischen Behandlungszahlen im Bereich der depressiven Erkrankungen sind neue Behandlungsmöglichkeiten und Therapieansätze zur Verbesserung der Behandlung dieser Patientengruppe dringend erforderlich. Der Einsatz von Akupunkturbehandlungen spielt in Deutschland in der gerontopsychiatrischen Versorgung bislang keine Rolle. Aus der Erfahrung im Bereich der Suchterkrankungen bzw. Traumatherapie lässt sich ein möglicher Nutzen der Ohrakupunktur als sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Therapieprogrammen ableiten. Gegenstand dieses Projektes ist es, die Anwendung von Ohrakupunktur nach dem NADA-Protokoll bei teilstationär (tagesklinisch)behandelten Patienten als Ergänzung und zur Unterstützung der gerontopsychiatrischen pharmakologischen und psychotherapeutischen Behandlung zu evaluieren. Dazu werden 20 Patienten über 65 Jahre mit der Diagnose einer Depression (ICD 10: F32-F33) untersucht. Die eingeschlossenen Patienten erhalten dreimal wöchentlich für einen Zeitraum von drei Wochen eine Ohrakupunktur (5 standardisierte Punkte pro Ohr) im Gruppensetting (Dauer pro Sitzung 45 Minuten).Der Prozess an sich und die Organisation, die Erfahrungen vor, während und nach der Behandlung, sowie die Bereitschaft der Patienten zur Teilnahme werden mit qualitativen Methoden (Inhaltsanalyse von Einzel- und Gruppeninterviews) evaluiert. Zudem werden objektive quantitative Messparameter zur Erfassung von möglichen Outcomevariablen dokumentiert. Klinisches Ziel ist es, die Akupunktur als zusätzliche Therapieoption zunächst im teilstationären Setting anbieten zu können, um somit eine kosteneffiziente zusätzliche Therapieoption zu bieten.
Methodik Der Schwerpunkt der Studie liegt auf qualitativen Untersuchungsmethoden im Sinne einer Machbarkeitsstudie.
Dabei sollen folgende drei Gruppen untersucht werden:
1. 20 an der Akupunktur teilnehmende Patienten in Einzelinterviews vor Beginn und nach Abschluss der Akupunkturbehandlungen
2. 20 Probanden, die das Akupunkturangebot ablehnen
3. das betreuende therapeutische Personal (Pflegeteam, ggf. Ergotherapeuten) in Gruppeninterviews (3 Fokusgruppen: Zu Beginn, im Verlauf, nach Beendigung der Studie)
In den Einzelinterviews mit dem Patienten werden Fragen nach Erwartung und Vorstellungen zur Akupunktur gestellt, in den Interviews nach Abschluss der Akupunktur wird jeweils nach Dauer und Tageszeit, zu der die Akupunktur stattfindet, gefragt. Zudem wird erhoben, ob eine Zufriedenheit und eine subjektive Effektivität mit dieser Methode erreicht werden konnte. Zu Beginn werden Vorerfahrung mit Akupunkturbehandlungen und traditioneller chinesischer Medizin beim Patienten erfragt. Zudem werden Alter, Diagnose, Dauer der Erkrankung und Medikation, Informationen zur vorherigen Nutzung von Akupunkturangeboten oder traditioneller chinesischer Medizin erhoben.
Im Falle einer Ablehnung werden die ablehnenden Tagesklinikpatienten gefragt, ob sie die Gründe ihrer Ablehnung darlegen möchten und ob sie einer wissenschaftlichen Auswertung dieser Daten zustimmen, um zu erfahren, welche Gründe zu einer Ablehnung einer additiven
Akupunkturbehandlung führen.
Das therapeutische Team, das typischerweise in der Gerontopsychiatrie multiprofessionell besetzt ist, besteht aus Ärzten mit abgeschlossener und fortgeschrittener psychiatrischer sowie fortgeschrittener neurologischer Weiterbildung, Kranken- und Gesundheitspfleger,
Altenpfleger und den jeweiligen Auszubildenden, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Sozialarbeiter. In problemzentrierten Gruppeninterviews werden die Nützlichkeit, der personellen Aufwand und die aus dem Projekt entstandenen Möglichkeiten für den individuellen Patienten ausgelotet. Zudem werden vom therapeutischen Team die jeweiligen Akupunkturzeiten mit Uhrzeit und Dauer sowie die persönlichen Besuche des Patienten, beziehungsweise der Gesamtzahl der
Patienten pro Akupunkturtermin, dokumentiert.
Da bislang keine Daten über optimale Frequenz, Dauer und Tageszeit der Ohrakupunktur vorliegen, sind die beschriebenen Kenngrößen nur als Startvorgabe zu verstehen. Eine Anpassung der Vorgaben an die individuellen Vorstellungen und Bedürfnisse der Patienten bzw. an die entstehenden Gruppenbedürfnisse wird vorgenommen und dokumentiert. Durch
die laufende Evaluation wird diese Modifikation möglich. Als Datenerhebungsmethoden kommen semistrukturierte Einzlinterviews bei Patienten und Gruppeninterviews des therapeutischen Teams zur Anwendung. Die Einzel- und Gruppeninterviews werden digital aufgezeichnet und transkribiert. Danach werden sie unter Zuhilfenahme von spezieller Software (z.B. MaxQDA) nach den Regeln der qualitativen
Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Vor Beginn der Intervention und nach Abschluss werden folgende Messinstrumente (bei den Studienteilnehmern und der Ablehner) erhoben, die Teil der Routinediagnostik im teilstationären Therapiekonzept sind:
Zur Einschätzung der depressiven Symptomatik wird die Geriatric Depression Scale, (GDS) als Selbstbeurteilungs-Skala und die Hamilton Depression Scale (HAM-D) als Fremdbeurteilungs-Skala angewendet. Zur Überprüfung der kognitiven Funktion und im speziellen der Orientierung wird die Minimental-Status-Examination (MMSE)herangezogen. Die aktuelle Lebensqualität wird mit Hilfe des SF-36 erhoben. Zur Evaluierung von Schlafstörungen wird der Pittsburgh Schlafqualitäts-Index (PSQI)
verwendet.
Aus den mit standardisierten Instrumenten erhobenen Daten ist eine quantitative Analyse mit gepaarten T-Tests (für die Testwiederholung) bzw. ANOVA für Testwiederholungen vorgesehen.
Datenbasis Primärdaten
   Interview (Face to face)  (Stichprobengröße: 20)
   Gruppendiskussion/Fokusgruppe  (Stichprobengröße: 10)
Studiendesign Machbarkeitsstudie
Untersuchte Geschlechter weiblich und männlich
Untersuchte Altersgruppen von 65 bis 99 Jahre
Ergebnisse --

Forschende und kooperierende Einrichtungen

Projektverantwortliche

Förderung

Veröffentlichungen

Schlagwörter

 

Stand: 15.08.2013